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Die Kinder von Don Quijote

Die Kinder von Don Quijote

Bundesweites Filmfestival „ueber Mut“ mit ungewöhnlichem Beitrag

altIm Rahmen des Filmfestivals „ueber Mut“ brachte die Aktion Mensch den Film „Les Enfants de Don Quichotte“ in die deutschen Kinos. Das Werk ist die Dokumentation einer Protestaktion in Paris, welche auf die elenden Zustände von Obdachlosen aufmerksam machen wollte.


Die Brüder Legrand, Pascal Oumakhlouf und Ronan Dénécé haben im Winter 2006 diese Aktion gestartet, am Ufer des Kanals Saint-Martin in Paris errichteten sie ein Zeltlager für Obdachlose und Sympathisanten. Beidseitig der Seine waren über 100 Zelte aufgestellt, deren Bilder um die Welt gingen. Normalerweise sind diese Ufer der Seine ein Anziehungspunkt für Touristen, die dort auf der Suche nach der verlorenen Romantik dem Bild der Stadt der Liebe nachspüren. Unvorbereitete Spaziergänger und Flaneure werden nicht übel gestaunt haben, wenn sie statt der erhofften Romantik jene roten Zelte mit lagernden Obdachlosen vorgefunden haben.


Störfaktor im Wahlkampf
Der Zeitpunkt der Aktion war gut gewählt, denn in Frankreich war gerade Wahlkampf, und eine solche Aufmerksamkeit hat die Themen entscheidend beeinflusst. Man fühlte sich gestört, darum hat man der Organisation vorgeworfen, sie würden die Obdachlosen für ihr politisches Engagement instrumentalisieren. Den Machern der Aktion war klar, dass sie nur dann etwas erreichen, wenn es ihnen gelingt, die Aufmerksamkeit der Massen nachhaltig zu gewinnen, denn unsere Zeit braucht dieses Spektakel, es rührt unser statistisches Gewissen, das Gefühl an etwas Bedeutendem Teil zu haben. Lange schon genügt es nicht mehr, durch eine Demonstration Aufmerksamkeit zu erregen, das Weltgeschehen an dem wir, auch dank der Medien teilhaben, bringt so viel Höhepunkte zu Tage, die unsere Anteilnahme schon vielfach aufbraucht, und eine Gruppe Spaziergänger mit Transparenten erntet oft genug nur ein Achselzucken. Die Geschehnisse trafen die Öffentlichkeit unvorbereitet. Da die Aktion an Sympathie gewann, war es nicht mehr möglich, das Vorhaben mit der Ordnungsmacht zu untersagen, wie das bei der ersten Aktion am Place de la Concorde geschehen war. Dort, am ursprünglich geplanten Zeltlager, waren die Einsatztruppen der Polizei, noch ehe die Zelte aufgestellt waren, zur Stelle und hatten die Protestierenden kurzerhand weggedrängt.


Am Kanal Saint-Matin war die Presse den Ordnungshütern zuvorgekommen und die Öffentlichkeit war informiert. Den politischen Würdenträgern blieb nichts anderes mehr übrig, als die Wohnproblematik der Obdachlosen im Wahlkampf zu thematisieren, da sie sonst von der aufmerksam gewordenen Bevölkerung hätten abgestraft werden können. So kam es zu immer eindeutigeren Zusagen von Seiten der Politiker. In der Neujahrsansprache des damaligen Präsidenten Jacques Chirac wurde eine Lösung zugesichert. Und im Februar ein einklagbares Recht auf Wohnraum verabschiedet. Das Zeltlager wurde aber nicht aufgehoben, da sich die Macher hintergangen fühlten, denn Anordnungen und Versprechen wurden nur zögerlich umgesetzt. [...]