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Spurensuche in Königsberg

Spurensuche in Königsberg

Unterwegs mit dem Richard-Wagner-Verband Leipzig

altDer für sich schon sehenswerte Dom von Königsberg (Kaliningrad) ist seit Mitte September um eine Attraktion reicher. Sie ist etwa 100 mal 80 Zentimeter groß, aus Bronze und hängt im Westchor des imposanten Gebäudes. Die Tafel zeigt ein Relief Richard Wagners mit der Inschrift in Deutsch und Russisch: „1836 –1837 lebte und wirkte in Königsberg der grosse deutsche Komponist Richard Wagner“.


Was ein echter Wagnerianer ist, der weiß, dass der gebürtige Leipziger und notorische Schuldner nicht allein zum Komponieren in die ostpreußische Metropole kam, sondern wieder einmal auf der Suche bzw. auf der Flucht war. Entweder saßen ihm die Gläubiger im Nacken oder er hoffte, eine lukrative Anstellung zu finden. An seiner Seite in diesen rastlosen Jahren: die vier Jahre ältere, attraktive Schauspielerin Minna Planer, geboren im sächsischen Oederan. Wagner hatte sie 1834 in Magdeburg kennengelernt. Königsberg schien insofern ein erster kleiner Lichtpunkt im bisherigen Leben des Paares zu sein, als dass Minna Planer hier an den Ufern der Pregel eine Anstellung am Theater fand und Wagner ihr über Berlin kommend nachreiste, nachdem die Uraufführung seiner Oper „Das Liebesverbot“ in Magdeburg im Chaos geendet und die Direktion die Künstler nicht bezahlt hatte. Am 24. November 1836 heirateten Minna und Richard in der Tragheimer Kirche, die im Königsberger Stadtteil Roßgarten stand.


Abend begeisterte 500 Gäste
Die Trauung liegt also 175 Jahre zurück, und dieses Jubiläum nahm sich der Richard-Wagner-Verband Leipzig e.V. zum Anlass, sowohl mit Verbandsmitgliedern als auch Interessenten nach Kaliningrad zu reisen, dort für mehrere Tage den Spuren des Komponisten zu folgen und an seinen und Minnas Aufenthalt zu erinnern. Dazu gehörte die Enthüllung der vom Verband gestifteten Gedenktafel im wiederaufgebauten Dom. Den Akt vollzogen Verbandsvorsitzender Thomas Krakow, die extra aus London angereiste Beatrice von Silva-Tarouca Larsen als Vertreterin der Wagner-Familie sowie Domdirektor Igor Odinzow. Begleitet wurde die Enthüllung mit einem Gedenkkonzert im Dom mit seiner fantastischen Akustik (er wird nur noch als Konzertkirche sowie als Museum genutzt) durch das Staatliche Symphonieorchester Kaliningrad unter dem Dirigat von Arkadij Feldmann sowie mit dem an der Leipziger Musikhochschule ausgebildeten Organisten Christopher Lichtenstein an der großen Schuke-Orgel. Natürlich gab es Wagner-Musik – mit bekannten Themen u. a. aus „Lohengrin“, den „Meistersingern“, „Walküre“ und „Tannhäuser“. 500 Konzertgäste waren begeistert, und dieser Abend wurde von den gastgebenden Russen als gesellschaftliches Ereignis der Stadt zelebriert.


Vieles wurde zerstört
Dem Ganzen voraus ging ein mühevolles Ringen um Art, Ablauf und Details des Besuches der Leipziger Delegation in Kaliningrad. Verbandsvorsitzender Thomas Krakow: „Dass es am Ende klappte, haben wir dem russischen Generalkonsulat in Leipzig und dem deutschen in Kaliningrad zu verdanken.“ Ideelle Wegbereiterin war ohne Zweifel auch die „Kulturbrücke Kaliningrad“ des MDR, der im Januar 2010 im ehemaligen Königsberg eine ganze Programmwoche gewidmet wurde und in der das MDR Sinfonieorchester aufgetreten war. Damit läuteten die Beteiligten gewissermaßen auch eine Spurensuche in der russischen Exklave ein. [...]