Für einen Neubeginn
Die Leipziger Wohngruppe für Mädchen begleitet und hilft
Inzwischen ist sie vorangekommen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Dass sie selbst dafür vor allem Verantwortung trägt, hat die nun 17-Jährige Schritt für Schritt gelernt. Und schwer für sie war alles genug. Als der neue Freund der Mutter in die Wohnung zog, der Streit immer mehr eskalierte und oft mit Schlägen endete, war es für Stefanie einfach zu viel. Mit 14 Jahren haute sie von zu Hause ab.
So oder ähnlich haben es M. Kreutzmann, Sozialpädagogin, und ihre Kolleginnen in der Mädchenwohngruppe mehrmals erlebt. Träger dieser Einrichtung in der Leipziger Schachtstraße ist der Internationale Bund. Ist ein Mädchen in Not, findet es hier rund um die Uhr Aufnahme und Beratung. Die Dienst habende Sozialarbeiterin muss dann zunächst entscheiden, ob eine Inobhutnahme der Jugendlichen nach § 42 des Jugendschutzgesetzes angezeigt ist. Das geht nicht ohne das Einverständnis der Eltern. Dann ist es Sache des Jugendamtes, weitere Schritte einzuleiten. Lässt sich das Problem mit den Eltern klären? Ist eine ambulante Hilfe angezeigt? Oder empfiehlt sich eine Unterbringung in der WG, wenn eine schnelle und für alle Beteiligten zumutbare Lösung nicht absehbar ist?
Acht Mitarbeiterinnen und eine Praktikantin – Sozialpädagoginnen und Sozialarbeiterinnen – sorgen sich in der Wohngruppe um 12- bis 18-jährige Mädchen, deren Leben aus dem Gleis geraten ist. Sechs Plätze stehen in dieser Einrichtung für ein betreutes Wohnen zur Verfügung. Nur in Ausnahmefällen sind die Bewohnerinnen älter als 18. So fand vor einiger Zeit eine junge Mutter mit ihrem Baby hier in der WG Aufnahme und umfassende Betreuung.
Das Jugendamt vergibt die Plätze in eine in dieser speziellen Problematik tätigen Einrichtungen für junge Mädchen. Sind die ersten Tage in der Wohngruppe mit ihren Regeln für manche durchaus erst einmal gewöhnungsbedürftig, lässt sich generell sagen: Wird die vielseitige Hilfe der Betreuerinnen erst einmal angenommen, beginnt für die Mädchen ein neuer Lebensabschnitt. Stefanie aus der WG zum Beispiel erlebt zurzeit ihre letzten Tage in Die Leipziger Wohngruppe für Mädchen begleitet und hilft leben der Gemeinschaft. Sie hat ein eigenes Zimmer im Haus bezogen, zu dem eine kleine Küche gehört. Stefanie „trainiert“ das Leben in eigener Verantwortung. Sie steht kurz vor ihrem Ausbildungsabschluss, wird Geld verdienen und sich eine kleine Wohnung mieten können. Sie ist auf dem richtigen Weg.
Diese Entwicklung ihrer „Zöglinge“ ist das Ziel und auch der Wunsch von M. Kreutzmann und ihren engagierten Kolleginnen. Wenn es irgendwie geht, werden die Eltern auf diesem Weg mitgenommen. Erfreulicherweise verbessern sich oft im Laufe der Zeit die Eltern-Kind-Beziehungen langsam, nicht immer von allein, sondern unter behutsamer Führung Dritter.
Durchaus nicht immer laufen die Dinge jedoch so komplikationslos.
Den ursprünglichen und in vielen Städten noch gebräuchlichen Begriff „Mädchenzuflucht“ hat die Leipziger WG längst abgelegt. „Er greift einfach zu kurz und meint nicht das, was wir als unseren Schwerpunkt sehen,“ meint M. Kreutzmann dazu. [...]
