20 Stelen zur Geschichte
„Orte der Friedlichen Revolution“ – neue Ausstellung im Stadtraum
Manch einem sind sie schon aufgefallen, die grauen Stelen aus Streckmetall in der Leipziger Innenstadt. Es handelt sich dabei um eine neue, ständige Ausstellung, die 20 solcher Stelen umfasst. Anhand historischer Fotos sowie deutschen und englischen Texten dokumentieren sie einen wichtigen Zeitabschnitt in der jüngeren Geschichte Leipzigs, die Zeit zwischen Januar 1989 und März 1990. Chronologisch wird dargestellt, welche Ereignisse und Aktionen zu dieser Zeit an den Originalschauplätzen stattfanden. Gleichzeitig belegen die Fotos, wie sich Leipzig in den letzten 22 Jahren städtebaulich veränderte.
Räumliche und zeitliche Entwicklung des politischen Protestes
Die Stelen 1 bis 7 zeigen eindrucksvoll und mit noch weitgehend unbekannten Fotos, dass die Bürger in Leipzig nicht erst im Herbst ’89 sondern bereits viele Monate zuvor anfingen, öffentlich gegen das DDRRegime zu protestieren. Die Dokumentation beginnt mit dem 15. Januar 1989 in der Petersstraße. Damals versammelten sich ca. 500 Bürger auf dem Marktplatz, um für demokratische Grundrechte zu demonstrieren. Dazu hatten Mitglieder der Leipziger Oppositionsbewegung mit etwa 4 000 Flugblättern aufgerufen. Somit beteiligten sich an diesem Tag erstmals überwiegend Bürger, die nicht in der Opposition engagiert waren, an einer ungenehmigten Demonstration. Es folgten Friedensgebete und Ausreisedemonstrationen verstärkt während der Frühjahrsmesse im März, denn wegen der anwesenden westlichen Journalisten verhielten sich Polizei und Staatssicherheit zurückhaltend. Im Mai ’89 organisierten verschiedene Oppositionsgruppen eine „Kontrolle“ der Stimmenauszählung bei der Kommunalwahl. So gelang es erstmals den von der SED organisierten Wahlbetrug nachzuweisen. Über dieses Ereignis informiert eine Stele auf dem Marktplatz.
Die Stelenausstellung greift somit nicht nur bekannte Ereignisse, wie die Montagsdemonstrationen oder die Besetzung der Stasi-Zentrale auf, sondern informiert auch über kleinere, aber deshalb nicht unbedeutendere Aktionen der Opposition. Hierzu zählt auch der Pleißepilgerweg, wo im Juni ’89 etwa 1 000 Personen entlang des stark verschmutzten und daher unterirdisch kanalisierten Flusses gegen Umweltzerstörungen demonstrierten. Die Stele zu diesem Ereignis befindet sich in der Karl-Liebknecht-Straße / Gustav-Freytag-Straße. Eine andere Form des politischen Widerstandes war das von Leipziger Oppositionsgruppen organisierte Straßenmusikfestival. Trotz Verbotes trafen sich am 10. Juni Musiker aus der gesamten DDR, um für die Freiheit der Kunst zu spielen. Die gewaltsame Auflösung der Veranstaltung durch die Volkspolizei löste bei vielen Passanten Entsetzen aus. [...]
