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Was Kinder brauchen

Titelthema: Was Kinder brauchen

altNote „mangelhaft“! - Lehrernotstand und Sanierungsbedarf an Leipziger Schulen

Anfang des Jahres wurde die sanierte Erich-Zeigner-Schule in Plagwitz feierlich eingeweiht. Aufgeregte Schüler führten ein kleines Programm auf und Politiker klopften sich anlässlich des freudigen Ereignisses auf die Schultern. OB Burkhard Jung betonte in seiner Ansprache die Herausforderungen, welche mit den kontinuierlich steigenden Geburtenzahlen einhergehen. Jedoch seien ihm diese Probleme viel lieber als solche, die im umgekehrten Fall mit einer zunehmenden Alterung verbunden wären. Seit 1996 steigen die Geburtenzahlen in Leipzig. Im vergangenen Jahr kamen 5 700 kleine Leipziger zur Welt. Damit ist fast Vorwendeniveau erreicht. So sehr Herrn Jung diese Tendenz erfreut, so enorm sind jedoch die Probleme, oder positiv formuliert, die Herausforderung hinsichtlich einer flächendeckenden und qualitativen Kinderbetreuung. Die Reform der Kitaplatzvergabe ist dabei eine der leichteren Übungen.


Akuter Handlungsbedarf besteht auch bei den Leipziger Schulen, denn hier wird es eng. Schon jetzt kämpfen viele Grundund Mittelschulen sowie Gymnasien, insbesondere in den Stadtteilen Mitte, Schleußig, Südvorstadt, Gohlis und Connewitz mit vollen Klassen. Klassenstärken mit 28 und mehr Schülern sind schon heute keine Seltenheit. Erschwert wird die Situation vom erschreckend desolaten Zustand vieler Schulgebäude. So können Turnhallen nur eigeschränkt oder gar nicht genutzt werden, da sie einsturzgefährdet sind. Undichte Dächer flickt man nur provisorisch, weil die Erneuerung des gesamten maroden Dachstuhls zu teuer ist. Und in einer Grundschule mussten bis vor kurzem undichte Fenster komplett zugenagelt werden, da die Schüler im Dauerdurchzug saßen.


Viele Schulgebäude wurden in den 50er-60er Jahren erbaut und bedürfen seit langem einer Generalüberholung. Der Investitionsrückstau geht in den dreistelligen Millionenbereich. Für die Instandsetzung und Ausstattung der Schulen sind die Kommunen zuständig, aber trotz absehbar steigender Schülerzahlen gingen die Bauinvestitionen kontinuierlich zurück und erreichten 2006 einen Tiefstand von 5 Mio. Euro. Ab 2007 wird wieder verstärkt in Erneuerung der Schulgebäude investiert. Jedoch sitzt im Leipziger Stadtrat der Pleitegeier mit am Tisch, und dieser muss sich bei der Mittelvergabe unter anderem zwischen Kultur, Infrastruktur, Wirtschaftsförderung oder eben Bildung entscheiden.


Schulentwicklungsplan
Für die wachsende Schülerzahl muss die Stadt nun dringend zusätzliche Kapazitäten schaffen. In den nächsten 10 Jahren werden 4 000 neue Grundschulplätze, sieben neue Mittelschulstandorte und fünf neue Gymnasien benötigt. Aktuell diskutiert der Stadtrat verschiedene Maßnahmen, um den zusätzlichen Bedarf zu decken. So sollen neben Schulneubau die Veränderung einzelner Schulbezirke, die Reaktivierung stillgelegter Schulgebäude und Doppelnutzungen Entlastung schaffen. [...]