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Lichter und Illusionen

Lichter und Illusionen

Mit dem Richard-Wagner-Verband Leipzig in Partnerstadt Lyon

altBekanntlich irrlichterte Richard Wagner während seiner Flucht vor Gläubigern oder in der Hoffnung auf Anstellung durch halb Europa. Auch Paris war so eine Station. Nun aber weilte eine Gruppe des Leipziger Richard-Wagner-Verbands kürzlich in Lyon. Aus triftigen Gründen: Lyon ist seit 30 Jahren Partnerstadt Leipzigs, seit 1982 gibt es einen rührigen Richard-Wagner-Verein („Cercle Richard Wagner“, einer von weltweit 143 Wagner-Verbänden mit insgesamt ca. 25 000 Mitgliedern) und auch in der Lyoner Oper kommen Wagner-Werke auf die Bühne.


Schwindelfrei im Toaster
Während ihrer Lyon-Visite erlebte die Leipziger Delegation gleich an zwei Abenden in der jeweils ausverkauften Oper ein Programm mit Werken des großen Tonmeisters: zunächst ein Galakonzert mit Opern-Ausschnitten, dann die Aufführung von „Parsifal“.
„Insgesamt eine wirklich beeindruckende Aufführung“, fand Verbands-Vorsitzender Thomas Krakow und die Hartmannsdorferin Monika Mainz ergänzte: „Die Sängerinnen und Sänger und das Orchester waren phantastisch. Nur die Regie war etwas gewöhnungsbedürftig, weil es drastische Bilder gab, die sich mir nicht ganz erschlossen“. An beiden Abenden dirigierte Kazushi Ono, den Parsifal sang Nikolai Schukoff und als Kundry trat Elena Zhidkova auf, die den Leipzigern sicher noch in lebhafter Erinnerung aus der Premierensaison des hiesigen „Rienzi“ sein dürfte.


Gewöhnungsbedürftig ist auch das Gebäude der Lyoner Oper selbst. Der Architekt Jean Nouvel krempelte 1993 das neoklassizistische Gebäude gehörig um, ließ nur die Fassade stehen, setzte ein Dachgewölbe aus Stahl und Glas auf und verwandelte den Innenraum in eine Höhle aus schwarzem Naturstein, der jegliches Licht verschluckt. Die Aufgänge zu den Rängen über sechs Etagen erinnern an Baustellengerüste. Wer ganz oben sitzt, muss schwindelfrei sein. Nur wenige Lyoner konnten sich mit dem Umbau anfreunden, es gab Bürgerproteste. Spöttisch nennen sie die Oper „Toaster“. Verschlimmbesserte Ausführungen also nicht nur in Leipzig. [...]