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„Mir fehlte die Kontrolle“

„Mir fehlte die Kontrolle“

Der Ausbruch aus einem Leben zwischen Gewalt und Alkohol

altDer junge, großgewachsene Mann, der mir gegenüber sitzt, strahlt Freundlichkeit und Höflichkeit pur aus. Er spricht schnell, als ob er vieles auf einmal sagen möchte. Immer wieder kommt ein kurzes Lächeln über sein offenes Gesicht. Er wirkt, als ob er mit sich im Reinen sei. Wenn er von früher spricht und dabei manchmal kurz auflacht, dann scheint er selbst kaum glauben zu wollen, was ihn einst geritten haben mag. Gewalt und Alkohol in stetem Wechsel.


Im Elternhaus verdrängt
Janek Z. ist Fußballfan. Schon mit 16, 17 Jahren zog der Leipziger mit Mitschülern und Kumpels zum Stadion. Irgendwann wurde das Spiel eigentlich zur Nebensache. „Wir hatten da so eine Art Beuteschema“, erinnert sich Janek, „es war der gegnerische Block mit seinen Kutten und Schals“. Der Dresscode der Anderen wirkte wie ein rotes Tuch. „Ja, und dann haben wir die Prügelei gesucht. Das war wie ein Kick“. Nicht nur, dass sich die Kumpels in der Clique gegenseitig anstachelten. Der zuvor genommene Alkohol half kräftig nach. „Ich hatte mich einfach nicht mehr unter Kontrolle“, fährt Janek fort.
Die Disco war ein weiterer Kampfplatz des jetzt 28-Jährigen. Ein frecher Spruch, ein Rempler und die Faust saß locker. Erst recht, wenn zuvor ordentlich viel Hochprozentiges geschüttet wurde. Das gehörte einfach dazu. So wie zu Hause.
Im Elternhaus hat es der Junge vorgelebt bekommen. Es gab immer einen Anlass, zur Flasche zu greifen, und die Männer in der Familie hatten viele Anlässe. Egal, ob die Stimmung gut oder schlecht war. Der Vater arbeitete als Lehrer und der Stress auf Arbeit musste zu Hause irgendwie vergessen gemacht werden. Nicht selten war die Stimmung depressiv. Auch Janeks zwei Jahre jüngerer Bruder trank später mit, „doch er kann sich kontrollieren.“ Und: „Unsere Mutter hatte nie hinterfragt, warum Vater und ich tranken. Es war für sie einfach kein Thema, vielleicht wollte sie es auch nicht wahrhaben.“ Ein nahezu klassischer Fall von Verdrängung innerhalb der Familie. So musste Janek in jenem Alter und später wohl glauben, dass Alkoholkonsum, selbst wenn es schon über den Eichstrich ging, etwas ganz Normales war und zum Alltag gehöre. Und als er zum Bund kam, wurde es geradezu exzessiv mit dem Trinken. Mit leichteren Drogen hat er es dann auch mal probiert und Cannabis geraucht. Doch davon hat Janek schnell wieder die Hände gelassen: „Als Nichtraucher vertrage ich das Zeug nicht.“
Blieb „glücklicherweise“ noch der Alkohol. [...]