Titelthema: Hier spielt die Musik
Unterwegs auf der Leipziger Notenspur - Musikgeschichte zu erleben an 23 Schauplätzen
Seltsam anmutende Zeichen begegnen uns neuerdings beim Gang durch die Stadt. Edelstahl-Intarsien, im Boden eingelassen. Am Thomaskirchhof, vor dem Gewandhaus, am Wagner-Denkmal oder vor dem Grassimuseum. Bögen, Schlingen, Schleifen. Mutet auf den ersten Blick ziemlich kryptisch an. So wie damals beim ersten Logo der Leipziger Olympia-Bewerbung „Spiele mit uns“.
Mit Spielen haben diese Markierungen gewissermaßen auch zu tun – mit Musik machen, mit Musik erleben. Ihre Schöpfer und Stätten von damals und heute entdecken. Es geht um die Leipziger Notenspur, einem 5 km langen Rundweg durch die Innenstadt. Am 12. Mai wurde er mit einem großen Bürgerfest offiziell eröffnet. Der Zeitpunkt dürfte nicht ganz zufällig sein. Fast zur gleichen Zeit vor 289 Jahren hat ein gewisser Johann Sebastian Bach, aus Köthen kommend, seinen Anstellungsvertrag als Thomaskantor und Musikdirektor beim Leipziger Rat unterschrieben. Er galt damals nur als dritte Wahl.
Welch grandiose Wahl, wie sich im Nachhinein erweisen sollte! Doch nicht erst mit Bach begann der Aufstieg Leipzigs zu einem Zentrum der Musik in Europa, vergleichbar nur noch mit Wien und Paris. Es sind vor allem die vielen noch erhaltenen Originalstätten auf relativ dichtem Raum, die nach Worten von Prof. Werner Schneider, dem Initiator der Notenspur, die Musikgeschichte dieser Stadt so fast einmalig macht. Neben Bach sind es Telemann, Mendelssohn-Bartholdy, Clara und Robert Schumann, Lortzing, Wagner, Reger, Mahler, Grieg, Janacek, die allein als Komponisten von Weltruhm mit Leipzig verbunden sind. Hinzu kommen bedeutende Dirigenten, Chorleiter, Musikverleger usw. Auf der exakt 5,3 km langen Notenspur passiert der Neugierige insgesamt 23 Stationen, wobei auch die innere östliche Vorstadt erreicht wird. Hier nur einige Stationen, um zu zeigen wie reich Leipzig mit (lebendiger) Musikgeschichte gesegnet ist:
• Altes Rathaus (Stadtpfeifer-Balkon, Haussmann-Porträt Bachs, Gründungsdokumente zu Gewandhaus)
• Mendelssohn-Haus (einzig erhaltene Originalstätte des Komponisten)
• Museum der bildenden Künste (Klingers „Beethoven“)
• Zum Arabischen Coffe Baum (Schumann-Eck, Einkehr Wagners, Léhars, Griegs u.a.)
• GRASSI Museum für Musikinstrumente (Teil der Uni Leipzig, größte Musikinstrumentensammlung in Deutschland)
• Alter Johannisfriedhof (u.a. Grabstätte von Wagners Mutter und Schwester Rosalie sowie Thomaskantor Weinlig, dem Lehrer Wagners)
• Schumann-Haus (das Ehepaar lebte hier von 1840–1844, Geburt der ersten beiden Kinder, Treffpunkt u. a. mit Berlioz, Liszt, Wagner, Chopin)
• Grafisches Viertel – Musikverlage (Breitkopf & Härtel, C. F. Peters, Hofmeister)
Mit der Notenspur erhoffen sich die Initiatoren und Förderer nicht nur einen erlebnisorientierten Rundgang. Anliegen ist es ebenso, den Widerspruch zwischen der Fülle der erhaltenen Wirkungsstätten und der doch noch geringen Bekanntheit dieser Schauplätze aufzuheben und diesen Reichtum ins Bewusstsein zu rücken. Dieser Widerspruch war vor fünf Jahren letztendlich überhaupt der Anstoß gewesen für die Idee einer Notenspur. [...]
