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Hilfe für Vierbeiner

Hilfe für Vierbeiner

Tierarztpraxen arbeiten ehrenamtlich im Bunten Hund e. V.

altAb 12.00 Uhr kommen die besonderen Patienten. Dann arbeiten Tierärztin und Helfer ehrenamtlich und richten ihre Aufmerksamkeit auf tierische Patienten, deren Besitzer kein Geld für Besuche dieser Art haben. Im Wartezimmer sitzen bereits drei „Patientenbesitzer“. Unter Ihnen ist Konti. Der junge Mann und seine Katze „Schlüpfer“ dürfen heute als Erste in das kleine Untersuchungszimmer. Hier kennt man die beiden bereits. Denn seit der Bunte Hund e. V. Ende letzten Jahres die ersten ehrenamtlichen Sprechstunden ins Leben rief, nutzte Konti schon mehrmals das Angebot für seine beiden Katzen. Während die Tierärztin mit ihm über „Schlüpfers“ Befinden redet, untersuchen zwei angehende Veterinärmediziner die junge Katze. Der Bunte Hund e. V. wurde von Studenten der Tiermedizin gegründet um den Haustieren von Menschen, die in sozialen Schwierigkeiten stecken, eine ärztliche Versorgung anzubieten. Gleichzeitig sammeln die Studenten durch die ehrenamtlichen Sprechstunden Praxiserfahrung. Paulin ist erst im zweiten Studienjahr und heute erstmalig selber bei einer Untersuchung aktiv. Mittlerweile unterstützen 60 Studenten aus verschiedenen Studienjahren die Initiative und nutzen die Möglichkeit, auch selbst Hand anlegen zu können. Bei den Sprechstunden des Bunten Hundes, welche einmal wöchentlich stattfinden, werden hauptsächlich Routineuntersuchungen, Parasitenbekämpfung und Impfungen durchgeführt. Damit leistet der Verein einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Hygienesituation unter Leipzigs Vierbeinern.
Nutzen kann die unentgeltliche Sprechstunde nur, wer eine gewisse Bedürftigkeit nachweisen kann und sich in der Obhut eines Streetworkers befindet. Das heißt, die entsprechenden Personen sind oft wohnungslos und/oder haben Suchtprobleme. Die Streetworker stellen den Kontakt zwischen Patientenbesitzer und Verein her. So möchte man vermeiden, dass das Angebot missbraucht wird.
Um Tierarztpraxen für die Initiative zu gewinnen, schrieben die Vereinsmitglieder zu Beginn alle in Leipzig existierenden Praxen an. Beim Tierärztestammtisch wurde die Idee noch einmal vorgestellt und heiß diskutiert. Denn unter den Ärzten gibt es auch berechtigte Vorbehalte. Ein Argument gegen die unentgeltliche Behandlung könnte sein, wo die Grenze zu ziehen sei – also welche Personengruppe begünstigt wird und welche nicht. Zum anderen gab es Vorbehalte aufgrund des sozialen Hintergrundes der Tierhalter. Kritische Stimmen, die eine unlautere Konkurrenz durch die Initiative sehen, weist der Verein jedoch zurück. Denn die Zielgruppe des Bunten Hundes e. V. würde sonst niemals zum Tierarzt gehen. Derzeit beteiligen sich vier Praxen. Jede von ihnen stellt einmal monatlich Räumlichkeiten, Personal, Arbeitszeit und Know-how kostenfrei zur Verfügung. Nach den ersten Sprechstunden wird deutlich, dass die Halter von der Gesundheit ihrer Tiere nur wenig Ahnung haben. Aber nach Meinung einer beteiligten Tierärztin sind die, die kommen, sehr aufgeschlossen, kooperationsbereit und lassen sich gern informieren. Fünf bis sechs Patienten werden mittlerweile wöchentlich zu den Sprechstunden des Bunten Hundes untersucht. [...]