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ArMut

Titelthema: ArMut

Foto: Anja NaumannArmut, heißt es wohl, ist keine Schande, aber es heißt nur so,
denn sie ist den Besitzenden höchst unheimlich,
ein Makel halb, und halb ein unbestimmter Vorwurf,
im ganzen also sehr widerwärtig
und zu unangenehmen Weiterungen mag es führen,
sich mit ihr einzulassen.

Thomas Mann



Denkt man an Armut, hat man ausgemergelte Menschen in der so genannten „Dritten Welt“ vor Augen. Doch auch hierzulande leben Arme und ihre Zahl steigt. Diesen geht es zwar besser als jenen, denen es an allen grundlegenden Mitteln fehlt, sie sind aber ausgeschlossen von der Lebensweise, die in Deutschland als minimaler Standard angesehen werden kann. Den in relativer Armut lebenden Menschen mangelt es im Vergleich zu anderen z. B. an Sicherheit, Sättigung, Ansehen und der Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen, an Kunst und Kultur. Über die finanzielle Knappheit hinaus gibt es also andere Aspekte von Armut. Ihr Spektrum reicht von Lebenssituationen, in denen ein Überleben der Betroffenen ohne fremde Hilfe nicht möglich wäre, bis zu Lagen, in welchen das Existenzminimum zwar erreicht wird, aber ständig bedroht ist. Sie betrifft neben (Nicht-)Arbeit auch die Wohnsituation, Gesundheit und Bildung. Menschen in Armut leben oft in physisch schlechterer Verfassung als die besser oder überhaupt Verdienenden. Hinzu kommen psychische Aspekte wie Existenzangst und die permanente Sorge, die nächsten Tage etwas zu essen zu haben oder die Kinder nicht zu vernachlässigen. Diese werden durch den Druck von Behörden und empfundene gesellschaftliche Ausgrenzung verstärkt. [...]