Wohnungslose Menschen werden häufig zu Zielen politischer Gewalt
In der letzten Ausgabe der KiPPE berichteten wir bereits von der Verfolgung wohnungsloser Menschen während der NS-Zeit. Auch heute gibt es diskriminierendes Verhalten gegen Wohnungslose aus der politischen Rechten, dieses beruht auf der Annahme der Unterlegenheit dieser Menschen aufgrund ihres sozialen Status. Solche Diskriminierungsformen werden bspw. als Sozialdarwinismus oder Sozialchauvinismus bezeichnet.
Text: Simon Stöckle & Foto: Pexels
Das für die Leistungsgesellschaft typische Verwertungsdenken macht manchen Gruppen zum Vorwurf, dass sie auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen sind. Dies betrifft nicht nur Wohnungslose, sondern z. B. auch Arbeitslose oder Menschen mit Behinderung. Dabei lassen solche Vorwürfe außer Acht, dass nicht alle Menschen die gleichen Voraussetzungen mitbringen, um sich im Arbeitsmarkt zu behaupten. Stattdessen werden Menschen als „Schmarotzer“ abgewertet und ihre Hilfsbedürftigkeit als Folge charakterlicher Schwäche umgedeutet. Außerdem wird ausgeblendet, dass eine konkurrenzbasierte Wirtschaftsform zwangsläufig auch Verlierer/innen hervorbringt.
Das Projekt chronik.LE dokumentiert neonazistische und rassistische Angriffe in Leipzig und Umgebung (siehe Vereinssteckbrief S. 15). Es listet für die Nachwendezeit mindestens zwei Fälle, in denen solche Gewalt zum Tod von wohnungslosen Menschen in Leipzig führte: 1995 starb Horst K., nachdem zwei jugendliche Täter seine Jacke während einer Straßenbahnfahrt anzündeten. Karl-Heinz T. nächtigte im Sommer 2008 auf einer Parkbank am Schwanenteich neben der Oper, als er wiederholt von einem jungen Neonazi geprügelt wurde. Einige Tage später erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. Ein weiterer Todesfall ereignete sich im Jahr 2002, als Christel G. von einem Neonazi erstochen wurde. Sie stellte sich diesem in den Weg, als er einen jungen Wohnungslosen angriff. Widersprüchliche Schilderungen des Tathergangs erschweren hier eine abschließende Einordnung, jedoch wurde auch in diesem Fall der Täter der Neonazi-Szene zugeordnet. Natürlich gibt es auch Angriffe ohne Todesfolge. chronik.LE dokumentierte beispielsweise einen Vorfall, bei dem ein Wohnungsloser mit Böllern beworfen wurde. Solche Vorfälle bekommen in der Regel wenig Aufmerksamkeit und werden meist nicht zur Anzeige gebracht. [...]
