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Wie Leipzig Kinderarmut bekämpft

Anknüpfend an die Produktion „WUTSCHWEIGER“, ein Stück über Kinderarmut (die KiPPE berichtete), wollte das Theater der Jungen Welt eigentlich eine Konferenz zum Thema veranstalten. Coronabedingt musste der „Mutmacher!“ jedoch auf 2021 verschoben werden. Immerhin konnte wenigstens am 9. November eine digitale Podiumsdiskussion unter dem Titel „Aufwachsen in Armut – eine drängende Frage in Leipzig“ als Livestream im Internet stattfinden. Denn das Thema Kinderarmut ist gerade in der Pandemie von besonderer Wichtigkeit, da diese auf die Schwachpunkte der Gesellschaft wie ein Katalysator wirke, so Moderatorin Britta Veltzke.

Text: Sandy Feldbacher


Auf jenem digitalen Podium saßen Leipzigs neue Jugend- und Schul-Bürgermeisterin Vicki Felthaus, Prof. Dr. Heike Förster (Soziologin, HTWK Leipzig), Susann Pruchnik (Sozialpädagogin, Leipziger Kinder- und Jugendbüro) sowie Roman Schulz (Pressesprecher, Landesamt für Schule und Bildung). Begrüßt wurden die Gäste von der neuen Intendantin des Theaters der Jungen Welt, Winnie Karnofka. Grafisch dokumentiert wurde die Diskussion zudem von der Leipziger Zeichnerin Johanna Benz.
„Welche Kinder sind arm?“ wollte Moderatorin Britta Veltzke zu Beginn von Wissenschaftlerin Heike Förster wissen. Laut offizieller Definition würden Kinder als arm bezeichnet, die in einem Haushalt leben, dessen Einkommen 60 Prozent oder weniger des Nettoäquivalenzeinkommens beträgt. Doch gebe es nicht nur finanzielle Armut, sondern auch Unterversorgungen in verschiedenen anderen Bereichen – wie etwa Ernährung, Bildung, Wohnen, gesundheitliche Versorgung, emotionale Zuwendung. Letztere würde auch nicht selten in finanziell besser gestellten Familien fehlen, doch sei dies ein Thema, worüber kaum jemand rede.
Vicki Felthaus wies darauf hin, dass der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die in Leipzig in Armut leben, in den letzten Jahren zurückgegangen sei. Derzeit liege der Wert bei 17,2 %. Das hänge mit der insgesamt positiven Entwicklung der Stadt zusammen, auch hinsichtlich der Durchschnittseinkommen. Auf der anderen Seite sei in den vergangenen fünf, sechs Jahren eine verschärfte Segregation zu beobachten gewesen: Das heißt, in bestimmten Stadtteilen konzentriere sich inzwischen der günstige Wohnraum, wodurch dort auch die Problemlagen zunehmen. Eine Entmischung von Stadtteilen soll deshalb seitens der Kommune gefördert werden. [...]