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Küche für Alle

Schon als ich 2012 nach Leipzig gezogen bin, hatte ich an sieben Tagen der Woche problemlos die Möglichkeit, eine KüfA (Küche für Alle) – damals noch VoKü (Volksküche) – zu besuchen. KüfAs gehören zum Standardrepertoire linker Projekte: Essen gegen Spende und ein Ort zum Austausch bilden das Grundkonzept. Für mich war das ideal, um eine Szene kennenzulernen, der ich mich zugehörig fühlte. Dieser Zugehörigkeitsmoment steht jedoch im Widerspruch zum Anspruch, „eine Küche für Alle“ zu sein. Das zeigt sich nicht zuletzt in den häufig sehr homogenen Gruppen von Besuchenden. Für diesen Artikel konnte ich mit zwei KüfA-Gruppen sprechen, die versuchen, genau diesen Widerspruch zu überwinden und gezielt Menschen anzusprechen, die gesellschaftlichen Ausschluss aufgrund von Armut, Wohnungslosigkeit oder Alter erfahren: die „Küche für Alle“ der Partei DIE LINKE sowie das Ladenraum-Projekt „E 113“ in der Eisenbahnstraße 113.

Text: Marie Miggelbrink & Fotos: Diana Richter

[...] Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der „Ortsgruppe West“, die im April 2024 die erste KüfA am Lindenauer Markt ausrichtete. Zwar hätte man die Veranstaltung auch im angrenzenden „Interim“, der Parteizentrale, durchführen können – die Gruppe entschied sich jedoch bewusst für den öffentlichen Raum. Sie wolle präsent sein, an öffentlichen Orten, ohne unsichtbare Schranken. Getragen von Wahlkampferfolgen und vielen neuen Mitgliedern wuchs das Projekt rasant. Heute gibt es sieben KüfA-Gruppen, die 15 KüfAs pro Monat organisieren – jede mit rund 60 Portionen Essen. Insgesamt werden damit fast 1 000 Mahlzeiten pro Monat bereitgestellt. Doch der Bedarf sei enorm: Steigende Mieten, hohe Preise, niedrige Löhne und noch niedrigere Renten führten dazu, dass immer mehr Menschen in Armut leben. [...]