2025 kam es im Rahmen der „Autonomen Besetzungstage“ wieder zu einer Reihe von Hausbesetzungen, die bundesweit Wellen geschlagen hat. Vom 10. bis 17. Oktober besetzten voneinander unabhängige Gruppen die Einertstraße 3, die Julius-Krause-Straße 8 und die Lützner Straße 99 in Leipzig. Schnell führte die Aktion zu solidarischen Besetzungen in Bremen und Berlin. Doch was steckt hinter der Aktion? Und wie unterscheidet sie sich von ihren Vorbildern? Historiker Udo Grashoff erklärt, wo die politische Hausbesetzung in Leipzig tatsächlich ihre Wurzeln hat. Und: Die Hausbesetzer*innen „Rosa“ und „Paprika“ erzählen, was sie aus den jüngsten Besetzungen gelernt haben und wie sich die Szene in Zukunft den wachsenden Herausforderungen stellen will
Text: Marie Miggelbrink & Fotos: Diana Richter
15. Oktober 2025: Am späten Nachmittag verschaffen sich vier Menschen Zugang zum leerstehenden Eckhaus in der Einertstraße 3, gleich hinter der Eisenbahnstraße. „Es geht unter anderem darum, sich aus der Ohnmacht zu befreien“,
erzählt „Paprika“, die genau wie „Rosa“ anonym bleiben möchte. „Das gibt halt so ein euphorisches, kämpferisches, ja selbstermächtigendes Gefühl.“ Für die beiden Hausbesetzer * innen ist die Besetzung ein Akt der Selbstbestimmung und Emanzipation und richtet sich als politischer Protest gegen Gentrifizierung und Mietwucher. [...]
