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Neues aus dem Amtsgericht: Aktivistin vor Gericht

Es verirren sich selten Menschen ins Gericht, wenn sie nicht müssen. Nur die spektakulären Fälle finden vor großem Publikum statt. Aber hier, vor dem Amtsgericht? Bei Diebstählen, Räumungsklagen, Körperverletzungen, Drogendelikten usw. sind die Richter*innen, Staats- und Rechtsanwält*innen, Polizist*innen und Angeklagten zumeist unter sich. In unserer Reihe „Neue Fälle aus dem Amtsgericht“ berichtet Autor Matthias Schiffner aller zwei Ausgaben über eben solche Verfahren mit dem Ziel, den Rechtsstaat etwas transparenter zu machen. Der Fokus liegt dabei auf sozialen Fällen.

Text: Matthias Schiffner

Josephine S., die Angeklagte, ist allem Anschein nach eine freundliche junge Frau. Vor Prozessbeginn steht sie auf dem Gang vor dem Gerichtssaal, bespricht sich mit ihrem Rechtsanwalt. Bekannte und Freund*innen der Angeklagten stoßen hinzu, herzliches, fröhliches Begrüßen. Zu Beginn des Prozesses bittet ihr Rechtsanwalt um ein Vorgespräch. Für eine Viertelstunde werden alle Besucher*innen wieder hinausgebeten. So etwas ist mitunter üblich, um auszuloten, was Staatsanwaltschaft und Richter*in denken, welches Strafmaß ggf. angesteuert wird und worauf diese sich einlassen könnten, wenn z.B. die Angeklagte sich kooperativ oder geständig verhält. Draußen steht die kleine Besucher*innengruppe beisammen; aus der heraus kommen zwei Frauen auf mich zu und fragen, warum ich denn hier sei. Ich antworte, dass ich über Prozesse zu sozialen Themen für die KiPPE schreibe, nicht parteiisch, aber an Zusammenhängen und Hintergründen interessiert. „Dann sitzen wir wohl im selben Boot“, bemerken die beiden freundlich, aber selbstbewusst, und gehen wieder.

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