Ein Ort der Menschlichkeit
Die Bahnhofsmission Leipzig hilft. Jedem. Jederzeit. Gratis
Wer hier vor der Tür steht, benötigt Beistand und freundliche Zuwendung. Außerhalb des Gebäudes des größten Kopfbahnhofs Europas – gegenüber der Einfahrt zum Parkhaus West – befinden sich die (bescheidenen) Räume der Ökumenischen Bahnhofsmission Leipzig (ÖBM). Als „gelebte Kirche am Bahnhof“ wird sie paritätisch betreut vom Caritasverband Leipzig und der Diakonie Leipzig. Besondere Fürsorge erhalten hier Menschen mit Behinderungen sowie Betroffene in sozialen Notsituationen. Das betrifft erste Hilfe in akuten Krisen wie auch die Beratung und Unterstützung in existenziellen Notlagen. „Wir kümmern uns um jeden, der zu uns kommt,“ sagt der stellvertretende Leiter der Mission, Carlo Arena. Seit acht Jahren ist der gebürtige Italiener – mit seiner Familie schon seit langem in Leipzig lebend – aktiv in der Mission. Zur Zeit ist er mit vier Stunden täglich der einzige Festangestellte. Nach der ursprünglichen Weigerung der Stadt Leipzig, weiterhin Mittel für die Bahnhofsmission bereitzustellen, zeichnet sich nun eine positive Wendung ab: In einem Runden Tisch zu Jahresbeginn einigten sich die Stadt/Sozialamt, die Deutsche Bahn AG, das ECE-Centermanagement und Vertreter der Träger der ÖBM, die Arbeit der Bahnhofsmission fortzusetzen. Mittel hierfür sind im Rahmen des Haushalts der Stadt Anfang März beschlossen und auch von Bahn AG und Centermanagement zugesagt worden. Dann werden neben 23 ehrenamtlichen Helfern wieder zwei festangestellte Mitarbeiter in Teilzeit die vielfältige Angebotspalette der Bahnhofsmission stabilisieren. Zudem können die Öffnungszeiten wieder erweitert werden. Dem waren heftige Proteste der Leipziger Bürgerschaft vorausgegangen. Schließlich ging es hier um ein sehr wichtiges soziales Angebot für Hilfesuchende in einem der bedeutendsten Bahnhofsdrehkreuze in Deutschland. Rund 150 000 Menschen sind hier im Zentrum der Stadt täglich unterwegs.
Die Bahnhofsmission Leipzig wurde 1913 gegründet. Sie gehörte damit nach Berlin und München zu den ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. 1939 bis 1945 überall sowie von 1956 bis 1993 in der DDR wurden die Bahnhofsmissionen geschlossen. Systemkonforme Organisationen übernahmen deren Aufgabe. 1998 wurde die Leipziger Bahnhofsmission als ökumenische Einrichtung wieder geöffnet.
Im vergangenen Jahr wandten sich über 18 000 Personen hilfesuchend an die Frauen und Männer am Willy-Brandt-Platz 2a. Dazu gehörten Menschen mit körperlichen oder psychischen Erkrankungen, Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten oder Männer und Frauen mit Migrationshintergrund, die sprachliche Defizite hatten. Einen großen Betreuungsbedarf haben Sehbehinderte und Blinde – allein 1242 Hilfesuchende aus dieser Gruppe wurden von den Mitarbeitern der Leipziger Bahnhofsmission im Vorjahr begleitet. Überhaupt stellen Reisende das Gros der „Kunden“. 12 204 mal wurde in der Leipziger Mission Hilfe angefordert. Das geschieht über die Deutsche Bahn AG beim Kauf der Fahrkarten oder bei der Bahnhofsmission direkt. Hilfe benötigen beispielsweise in der Mobilität eingeschränkte Reisende, denen beim Umsteigen von einem Zug zum anderen geholfen wird oder Mütter oder Väter mit Kinderwagen oder kinderreichen Familien. [...]
