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Leben am Kanal

Titelthema: Leben am Kanal

altLiebe auf den ersten Blick

Neues Kapitel für ein blaues Band
Karl-Heine-Kanal und kein Ende. Wieder einmal erlebt die schmale Wasserstraße im Leipziger Westen ein neues Kapitel in ihrer wechselvollen Geschichte. Derzeit wird südlich der Luisenbrücke der geplante Durchstich zum Lindenauer Hafen vorbereitet. ENDLICH, werden die vielen Befürworter sagen, denn dieses Projekt war viel besprochen und oft verschoben worden. Vor nicht allzu langer Zeit aber hatte die Stadt die nötigen Flächen für den Durchstich erwerben können – was eine Voraussetzung für das kommunale Bauvorhaben war. Sichtbarstes Zeichen für den künftigen Vorantrieb ist die Einengung der Luisenbrücke sowie die derzeitige Sperrung des beliebten Radweges kurz vor der Brücke wegen Aushub- und Umbauarbeiten.
Vom Karl-Heine-Kanal bis zum Hafenbecken mit seinen alten Speichern sind es noch 620 Meter, die freigelegt werden müssen. Mit dem Durchstich allein ist es natürlich nicht getan, denn damit einher laufen der Ausbau eines Sporthafens sowie eine komplexe landschaftsarchitektonische Umgestaltung des etwa 60 ha großen Umfeldes: Fuß- und Radwegverbindungen, Uferbefestigungen, Pflanzungen, Naturschutz, Zugang zum Wasser mit Anlegestellen, Freizeitanlagen usw. Auch eine neue Fußgängerbrücke müsste dann her. Alles in allem stehen über 22 Millionen Euro zu Buche, wobei die Stadt einen Eigenanteil von 8,8 Millionen Euro berappen muss.



Ob die Ausflügler nun per Boot, Rad oder per pedes unterwegs sein werden – sie alle können dann in etwa drei Jahren einen insgesamt über 3000 Meter langen attraktiven, innerstädtischen Wasser- und Wanderlauf nutzen. Wer redet dann noch von der geplatzten Olympia-Bewerbung Leipzigs, bei dessen Planungen das Hafengelände für das Olympische Dorf 2012 auserkoren war?



Wandel mit Hindernissen
Der Karl-Heine-Kanal hatte in seiner nun schon 150-jährigen Geschichte zunächst eine rein wirtschaftliche Funktion gehabt. Der Rechtsanwalt, Unternehmer und Abgeordnete Dr. Carl Erdmann Heine hatte im Zuge der Erschließung von Plagwitz und Lindenau für Industrie und Gewerbe auch die Vision gehabt, die Weiße Elster mit der Saale mittels eines Schifffahrts-Kanals zu verbinden. Damit wäre ein Wasserweg über Saale und Elbe bis zum Hamburger Hafen und darüber hinaus zur Nordsee möglich gewesen. Von 1856 bis 1898 entstand in drei Bauabschnitten der Kanal in seiner heute uns bekannten Länge, der zugleich das feuchte Land trocken legte. Damit setzte zu beiden Seiten der Wasserstraße eine rasante industrielle Entwicklung ein, es entstanden u. a. Spinnereien, Verzinkereien, Gießereien, Maschinenbaubetriebe, Gummiwaren- und Farbenfabriken. Von hier aus trat auch eine Neuheit ihren Siegeszug in Deutschland an: Die Wäsche- und Modefabrik Fa. Mey & Edlich begann ab 1886 einen florierenden Versandhandel. Die Spuren des Unternehmens sind noch heute neben der Könneritzbrücke in Schleußig als Lofts auszumachen.



Nur eine direkte Verbindung zur Saale bei Kreypau (Leuna) kam nie zustande. Nachdem der dritte Abschnitt zwischen Saalfelder und Lützner Straße nach Heines Tod 1888 durch die Leipziger Westend-Baugesellschaft noch fertiggestellt werden konnte, herrschte zunächst einmal Stillstand. Erst die Nazis griffen 1933 die Pläne zur Fortführung wieder auf, der „große Elster-Saale-Kanal“ war als riesige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme gedacht. Doch es ging nur stockend voran und 1943 kam kriegsbedingt endgültig das Aus. Auch der Bau des Hafens kam nicht mehr zustande. Seitdem verliert sich der Elster-Saale-Kanal als Fortsetzung des Karl-Heine-Kanals westlich von Günthersdorf in Sachsen-Anhalt inmitten der flachen Landschaft. Noch… [...]