Die Leipziger Thomaskirche
Spätgotik und barock geprägter Bach im Zusammenspiel
Geschichtliches
Die Ursprünge der Leipziger Stadt- und Kirchengeschichte lassen sich zum größten Teil nur indirekt durch archäologische Funde erschließen, so auch die der Thomaskirche. Der Vorgängerbau der heutigen Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jh. vermutlich an einem damaligen Marktplatz errichtet. Markgraf Dietrich von Meißen etablierte im Jahre 1212 dort ein Augustiner-Chorherren-Stift, wohl auch, um seinen Anspruch gegen- über der aufstrebenden Bürgerschaft als Stadtherr zu untermauern und über das Kirchenwesen Einfluss auf deren Geschicke nehmen zu können, da er dem Stift auch die Pfarrkirche St. Nikolai unterstellte. Die Kirche wurde somit bis um 1221 den liturgischen Erfordernissen der Chorherren entsprechend um- und nördlich ein Klosterbereich angebaut. Um die Mitte des 13. Jh. nahm man den Bau eines mächtigen Turmes über dem Ostende des südlichen Seitenschiffes in Angriff, wodurch dem direkt an der westlichen Stadtgrenze gelegenen Bauensemble ein Bezug auf die Stadt verliehen wurde.
Weitere Um- und Ausbauarbeiten erfolgten in der Mitte des 14. Jh., in dessen Zuge die Weihe des Hochaltars und fünf weiterer Altäre im Jahre 1355 überliefert ist. 1412 stürzte der Turmhelm herab und wurde wohl erst 1474 wieder aufgerichtet. Die heutige Gestalt der Thomaskirche geht auf den spätgotischen Neubau in den Jahren 1482 bis 1496 zurück, dessen wohlproportionierte Raumaufteilung und Akustik die Zeiten überdauert hat. Auf Anordnung des Leipziger Bürgermeisters Ludwig Fachs erbaute man 1537 den Turm neu, welcher in seiner Grundform immer noch Bestand hat.
Nach dem Tode Herzog Georgs 1539 wurde im albertinischen Sachsen, und somit auch in Leipzig, die Reformation zu Pfingsten feierlich eingeführt. Von der Kanzel der Thomaskirche predigte zu diesem Anlass vor einer großen Menschenmenge Martin Luther. Das Kloster wurde 1541 aufgelöst, zwei Jahre später abgerissen und auf dessen Gelände der nördliche Thomaskirchhof angelegt. Im gleichen Jahr wird die Thomaskirche der Stadt unterstellt und muss sich seitdem den Rang der städtischen Hauptkirche mit der Nikolaikirche teilen. [...]
