Titelthema: Lohn der Arbeit
Was ist uns Arbeit wert? - Verschiedene Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitswelt
Bundesregierung, Wirtschaftsverbände oder die Bundeszentrale für Arbeit kriegen sich gar nicht mehr ein: Die Wirtschaft boomt wieder und mit ihr kommen viele neue Arbeitsplätze. Sogar vom „Jobwunder“ ist da die Rede. Deutschland im Aufstieg nach dem Jammertal der letzten Jahre. Wovon wohl auch Sachsen profitiert. So sieht es jedenfalls die hiesige Regionaldirektion (Sitz: Chemnitz) der Bundesagentur für Arbeit und konstatierte, dass im Freistaat die Nachfrage nach Arbeitskräften anhaltend hoch sei. Im Juni seien über 219 200 Menschen ohne Arbeit gewesen, gut 8 600 weniger als im Monat zuvor. Und die Arbeitslosenquote ginge innerhalb eines Monats von 10,7 auf 10,3 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres habe die Quote noch bei 11,5 Prozent gelegen.
Anerkennung und Bestätigung
Doch da stellen sich viele Fragen: Um welchen Preis geschieht dieser Aufschwung? Wie sehen denn diese vielen neuen Arbeitsplätze aus? Ist der neue Arbeitsplatz wirklich ein „richtiger“ Arbeitsplatz, um würdig zu sein, in die Statistik aufgenommen zu werden? Ist der klassische Arbeitsplatzbegriff mit seinem Acht-Stunden-Tag im Angestelltenverhältnis in der Zukunft überhaupt noch relevant? Gibt es Alternativen?
Wie heißt es so schön bei der FDP: „Arbeit muss sich wieder lohnen!“. Tönt es hinaus in deutschen Landen und stemmt sich im gleichen Atemzug vehement gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. Dies würde den Wettbewerb verhindern, komme einem staatlichen Diktat gleich und habe somit in der freien Wirtschaft nicht zu suchen. So die Begründung der Nein-Sager.
Was also ist uns Arbeit wert? Wir wollen uns dieser Frage nähern aus der Perspektive von jenen, die Arbeit vermitteln, die Arbeit annehmen, die Arbeit verteidigen und die Arbeit interpretieren und Prognosen wagen.
Hartz IV trotz Beschäftigung
Die große Ferien- und Urlaubszeit ist zu Ende, und der Arbeitsalltag hat uns wieder (sofern man denn Arbeit hat). Entweder stürzen wir uns mit Feuereifer wieder in die Arbeit, weil uns neue Aufgaben herausfordern, oder aber wir bangen jeden Tag um unsere Stelle. Unter Umständen müssen wir gefasst sein, dass es in den Wochen der Abwesenheit zu weitreichenden „Umstrukturierungen“ in der Firma gekommen ist. Bestenfalls können wir noch froh sein, den Job zu behalten, dafür aber „dürfen“ wir nun die Arbeit eines entlassenen Kollegen mit übernehmen – bei gleichzeitig geringerem Gehalt. Die Firmenleitung begründet diesen Schritt mit dem Ziel, nur noch so das Unternehmen rentabel führen zu können. [...]
