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Endlich wieder Buchmesse!

Buchmesse mit neuen Formaten

Bücher: Sie begleiten uns ein Leben lang. Bücher und Messe: Sie finden in Leipzig wieder zusammen. Diesmal in der Zeit vom 27. bis 30. April. Das ist zwar ein Monat später als sonst – aber wichtiger ist wohl, dass die Buchmesse endlich wieder stattfindet. Definitiv. Und sie wird in diesem Jahr gleich mit mehreren neuen Aktionen und Formaten aufwarten.

Zusammenstellung: Björn Wilda & Foto: Ulrich Koch


Unterwegs in 12 Städten – On the road to read
Das ist neu: Die Leipziger Buchmesse geht auf Tour – und schon vor Beginn des Ereignisses. Mit einem Gespräch zum Thema „1923 – ein Schicksalsjahr wird hundert“ in der Chemnitzer Buchhandlung Lessing & Kompanie startete die Leipziger Buchmesse bereits Anfang März ihre Buchhandelstour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. In insgesamt zwölf Städten finden bis zur Leipziger Buchmesse Veranstaltungen mit zahlreichen renommierten Autorinnen und Autoren im stationären Buchhandel statt. Das Programm, drei Termine davon im Gastland Österreich, umfasst sowohl gesellschaftspolitische Themen, unterhaltsame Romane, spannende Diskussionen und beliebte unterhaltende Genres.

Ein eigener Messestand zu YOUR PLACE TO READ schlägt die Brücke von der Tour zur Leipziger Buchmesse. Dieser soll sich täglich ändern.
Buchmessedirektor Oliver Zille zum neuen Projekt: „Uns war es wichtig, ein Programm zu erstellen, das sich nicht auf einen thematischen Aspekt oder ein bestimmtes Genre konzentriert, sondern eine möglichst große Bandbreite unserer Literaturlandschaft und das Gastland der Leipziger Buchmesse 2023, Österreich, abbildet. Literatur kann so vieles: aufrütteln, Sichtbarkeit für wichtige Themen und Missstände erzeugen, Diskurse anstoßen und aufklären. Gleichzeitig schafft sie auch die Möglichkeit, ein paar Stunden aus dem Alltag auszusteigen und voll und ganz in einer Geschichte zu versinken. Die Buchhandlungen sind ein Ort, der – genau wie wir als Leipziger Buchmesse – diese Vielfalt feiert. Mit diesem Gedanken gehen wir in diesem Jahr erstmals auf Tour.“
Weitere Stationen waren bzw. sind noch: Hamburg, Köln, Bad Homburg, Berlin, Wien, München, Braunschweig, Zürich, Innsbruck, Freiburg und Erfurt. [...]

Leipziger Gärten Teil 11: Artenvielfalt braucht Zeit

Diesmal geht es um keinen konkreten Garten, sondern um ökologischen und damit nachhaltigen Gartenund Landschaftsbau. Da stehen Ökosysteme ganz oben an. Doch Nachhaltigkeit ist kein Selbstläufer. Das weiß Garten- und Landschaftsbauer Oliver Franke nur zu gut. Für ihn und seine kleine Firma sollen Gärten so naturnah wie möglich gestaltet und genutzt werden. Dafür ist viel Kreativität gefragt, die der 44-Jährige Leipziger während seiner Ausbildung vermisst hatte. Also ging er dann seinen eigenen Weg.

Text: Björn Wilda & Foto: Oliver Franke

Wenn Oliver Franke aus seinem Wohnzimmerfenster unweit der Mühlpleiße hinausblickt, kann er auf Eigenheime und Lauben mit Kleingärten blicken. Kleine, abgezirkelte Gärten mit geordneten Flächen. Dort ein Beet, hier ein Rasen, dazwischen ein Baum und Hecken als Grundstücksgrenzen. Auch das kann Connewitz sein.
Für Oliver Franke haben Gärten jedoch eine ganz andere Dimension. Er steht auf naturnahen Gartenbau, in dem die „Ästhetik der Dynamik“ zum Ausdruck komme, wie er es formuliert. Diese Ästhetik habe er während seiner Ausbildung zum Landschaftsgärtner vermisst. „Da ging es nur um konventionellen Gartenbau, und das fand ich überhaupt nicht spannend.“ Deshalb war für ihn nach Lehrabschluss das Thema Garten erstmal gegessen, und er ging nach Amsterdam, um Musik zu studieren (der er bis heute treu geblieben ist). In der Stadt der Grachten blieb er zwölf Jahre. Bekanntlich sind die Niederlande ein Blumenland. Da dauerte es nicht lange, dass Oliver Franke neben der Musik noch im Nachbarland zu seiner früheren Passion zurückfand. Naturgärtner wollte er werden und nahm konsequenterweise an diversen Seminaren und einer Weiterbildung teil. 2016 kehrte er nach Leipzig zurück, gründete seine heute dreiköpfige Naturgärten-Firma und ist mit ihr sowohl in der Messestadt als auch im Umland tätig.

Dazu Ortstermin in Zuckelhausen weit im Südosten Leipzigs. Ein fast ländliches Bild mit Siedlungen. Eines der Einfamilienhäuser mit Garten ist seit Wochen eine Baustelle von Oliver Franke. Es wird geflext, geklopft, geschnitten und immer wieder nachgemessen und gelotet. Zusammen mit seinem Mitarbeiter Michael Simane legt er den Verandagrund mit Naturstein aus – Porphyplatten aus dem Trentino. Warum denn nicht den Porphyr gleich um die Ecke aus der Rochlitzer Gegend nutzen? Franke: „Hiesigen Porphyr bekommt man nicht als Polygonplatten, er wäre mehr für Mauerwerk verwendbar.“ Der Stein aus Norditalien sei außerdem satter in der Farbgebung und für Belagsflächen im Garten aus Frankes Sicht dauerhafter. Auch der Kunde wollte es so. Verfugt werden die Platten nicht mit Mörtel, die Lücken werden mit feinem Splitt verfüllt, dazu wird eine Fugenmischung aus trockenheitsliebenden Kräuterpflanzen wie Thymian, Mauerpfeffer und Hungerkraut angesät, welche schlussendlich die Fugen begrünt und wieder Leben anzieht. Umrahmt wird die Veranda von einer Trockenmauer aus Porphyrblöcken und schließlich gesäumt von einem Sandbeet, auf dem dann wärmeliebende mehrjährige Wildstauden wachsen. Im April soll alles fertig sein. [...]

Eine gewitzte Prinzipalin

Seit 1998 verleiht die Stadt Leipzig alle zwei Jahre den Caroline-Neuber-Preis. 2020 wird er als „Internationales Caroline-Neuber-Stipendium der Stadt Leipzig“ erweitert. Aktuell für 2022/23 ging jetzt diese Auszeichnung an die australische Theaterregisseurin Samara Hersch (40). Das Stipendium ist gedacht für „impulsgebende Leistungen internationaler Künstlerinnen im Bereich Theater, Schauspiel, Tanz“. Vorgeschlagen werden die Künstlerinnen von sieben Leipziger Theatereinrichtungen, eine unabhängige Jury fällt die Entscheidung. Doch wer ist eigentlich die Namensträgerin dieses Preises? Worin lag ihre Leistung, was verbindet sie mit Leipzig? Stellen wir Caroline Friederike Neuber näher vor.

Text: Björn Wilda

Großes Gelächter und Gejohle auf den Fleischbänken 1741 zur Messezeit. Ein Theaterstück läuft. Auf der Bühne tappt eine riesige Nachtgestalt mit langen Ohren und mit Kerze in der Hand umher. Die Gestalt horcht und guckt in alle Ecken, immer bereit, für sie Unpassendes aufzuspüren. Das Publikum amüsiert sich köstlich. Der mit dieser Figur in einer Parodie auf die Schippe genommen wird, ist kein Geringerer als der hünenhafte Johann Christoph Gottsched, seines Zeichens als „Literaturpapst“ in aller Munde. Und jene Person, die den Universitätsprofessor, Dramatiker, Literaturtheoretiker und Sprachforscher auf diese Weise der Lächerlichkeit preisgibt, ist eine 43-jährige Frau: Friederike Caroline Neuber, ihres Zeichens Prinzipalin einer Theatertruppe und als „Neuberin“ in aller Munde. Doch die Szenerie hat eigentlich einen wenigen komischen Hintergrund… Dazu später mehr.

Kindheit und Jugend der Anfang März 1697 im vogtländischen Reichenbach geborenen Caroline Weißenborn sind hart und abenteuerlich und deuten wahrlich nicht auf eine spätere Berühmtheit hin. Ihr tyrannischer Vater, ein Advokat, züchtigt sowohl seine Gattin als auch das ungeliebte Kind. Davon bleibt eine Narbe im Gesicht. Aus Verzweiflung versucht Caroline mit 15 Jahren zu fliehen, wird wieder aufgegriffen, vom eigenen Vater des Ungehorsams und Diebstahls bezichtigt und kommt für 13 Monate hinter Gitter. 1717 unternimmt sie einen weiteren (geglückten) Fluchtversuch, diesmal mit ihrem gleichaltrigen Geliebten Johann Neuber, einem Schauspieler, den sie ein Jahr später heiratet. [...]

Härtefall Energiekrise

Kalte Heizung – heiße Debatte

Wie kommen wir durch die Energiekrise? In der Volkshochschule Leipzig wurde diese Frage Anfang Februar 2023 im Rahmen einer Podiumsdiskussion aufgeworfen. Dazu eingeladen waren die Landtagsabgeordneten Marco Böhme (Die Linke), Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU), Daniel Gerber (Bündnis 90/Die Grünen), Henning Homann (SPD), Jan Zwerg (AfD) sowie die FDP-Landesvorsitzende Anita Maaß. Veranstaltet wurde die Diskussionsrunde von der Sächsische Landeszentrale für politische Bildung und moderiert von Journalist Ralf Krüger. Die KiPPE hat sich die Debatte angehört.

Text: Sandy Feldbacher & Foto: VHS Leipzig


Die Leitfrage des Abends war: Wie kann es gelingen, dass die Energieversorgung sicher, bezahlbar und umweltverträglich ist? Ein besonderer Fokus lag dabei auf Sachsen. Zu Anfang wurden die Podiumsgäste mit ihren grundsätzlichen Standpunkten vorgestellt, die einerseits eine Präferenz für erneuerbare Energien aufzeigten oder für einen breiten Energiemix, der auch Kohle und Atomkraft einschließt, eintraten. In drei schnellen Einstiegsrunden, in denen nur mit ja, nein oder einer Enthaltung geantwortet werden durfte, wurde zunächst gefragt, ob es sich in den Augen der Podiumsgäste bei der aktuellen um die tiefste Energiekrise aller Zeiten handele. Das bejahten alle außer Daniel Gerber (Die Grünen). Auf die Frage, ob die Strom- und Gasversorgung momentan gesichert sei, zückten wiederum alle ein Ja-Schild, außer die Vertretenden von FDP und AfD, die mit Nein stimmten. Die Antworten auf die Frage, ob die Bundesregierung die richtigen Entscheidungen getroffen habe, damit die Preise sinken können, waren durchwachsen, weshalb alle Podiumsgäste einzeln ausführlicher darauf eingehen sollten.

Hat die Regierung richtig gehandelt?
Henning Homann (SPD) ordnete die Energiekrise zunächst als Folge des Angriffskriegs auf die Ukraine ein. Die Bundesregierung habe alles getan, um die Versorgung zu sichern und dafür auch unpopuläre Entscheidungen getroffen. Letztendlich habe dies funktioniert und eine Marktberuhigung sei eingetreten. Gleichzeitig wurde versucht, die Krise sozial abzufedern. Strom- und Gaspreisbremsen bringen Planungssicherheit für alle, sagte Homann. Dass es in diesem Winter keine kalten Wohnungen gab, sei ein Verdienst der Bundesregierung.
Daniel Gerber (Die Grünen) wies darauf hin, dass die Energiepreise nun wieder fast auf dem Niveau seien, wo sie vor Beginn des Krieges waren. Diese Entspannung habe die Regierung herbeigeführt. Vor dem Krieg kamen rund 50 Prozent des Gases in Deutschland aus Russland, heute sind mehr Länder an den Importen beteiligt. Leider komme die Preisstabilisierung erst verzögert bei den Verbrauchern an. Aber die Wirtschaft sei sogar leicht gewachsen. [...]

Mit allen Sinnen im GRASSI

Zwei Jahre Corona-Zeit waren auch für das GRASSI Museum für Angewandte Kunst eine enorme Herausforderung. Besucherzahlen gingen zurück, Veranstaltungen fielen aus, Mitarbeiter wurden zeitweilig an andere Einsatzstellen innerhalb der Stadtverwaltung delegiert. Dann das Jahr 2022 und mit ihm ab etwa April die erfreuliche Kehrtwende. Rückblick dazu und Ausblick auf kommende Highlights des Museums am Johannisplatz gaben Direktor Dr. Olaf Thormann sowie seine Stellvertreterin Anett Lamprecht. Wobei auch von einem Jubiläum die Rede war.

Text & Foto: Björn Wilda

„Wir können zurückschauen auf ein erfolgreiches Jahr.“ Das war der Einstieg von Museumsdirektor Olaf Thorman und legte gleich mit Fakten nach. Enorm gewachsen sei 2022 die Zahl der Besucherinnen und Besucher. Mit rund 73 000 reichten sie fast an das Niveau der Jahre ab 2017. Gegenüber 2020, dem Beginn der Pandemie, hat sich damit die Besucherzahl verdoppelt. Wieder Zuwachs gab es auch bei Neuerwerbungen. So wurden insgesamt 5 752 Kunstobjekte aus den Bereichen Kunsthandwerk, Design, Grafik, Buch und Fotografie erhalten bzw. erworben. Gesamtwert: rund eine Million Euro. „Bei 5 591 Objekten handelt es sich um Schenkungen, 161 Objekte wurden angekauft,“ so Dr. Thormann weiter. „Damit gelang unserem Museum die umfangreichste Erweiterung der Sammlungen seit der Wiedereröffnung des Hauses 2007.“ Was den Besuchern gewissermaßen verborgen blieb, aber jetzt offensichtlich und erlebbar ist, waren Umbauten und Neugestaltungen. Hinter der Pfeilerhalle, dem Herzstück des Museums für Angewandte Kunst, entstand das „Studiofoyer“, ein neuer Ausstellungsraum in strahlendem Gelb. Integriert sind zwei großflächige Wandvitrinen, in denen seit vergangenem Monat feinste Art déco-Porzellane zu sehen sind. Als Initiator und privater Geldgeber ließ sich Prof. Peter W. Schatt aus Hamburg das Ganze 40 000 Euro kosten. Mit Fördermitteln des Bundes wurden die Steingitterfassaden der beiden Treppentürme im Mittelhof saniert.

Wer schon mal die „Sinneslandschaften“ im Museum erlebt hat, kann sich nun von einem Update überraschen lassen: Der interaktive Raum folgt u. a. mit bewegten Mustern und Farben den Bewegungen der Gäste. [...]