logo2016

Leipzig, deine Wälder

Auf Urwaldexpedition in der Stadt

Wenn wir von Leipzigs Wäldern sprechen oder schreiben, dann ist fast immer nur der Auwald gemeint. Er durchzieht Leipzig wie ein grünes Band von Nordwest nach Süd. Ein Wald mit allem Drum und Dran inmitten der Stadt! Wo gibt’s das schon? Keine Ahnung, wie oft ich den Auwald schon durchradelt bzw. durchwandert habe. Zuletzt im Mai gab es wieder eine besondere Verwandlung. Der Bärlauch blühte und überzog das Grün wie einen Schneeteppich. Jedes Mal ein tolles Naturschauspiel. Noch vieles andere gibt es zu entdecken.

Text & Foto: Björn Wilda


Unser Auwald hat viele Reviere mit zum Teil seltsamen Namen: Die Nonne, Das verschlossene Holz, Die Gottge, Der Beipert, Streitholz, Der Horst, Die Gautzscher Spitze usw. Dann gibt es wieder einzelne, kleinere Wälder wie: In den Schönen, Die Lauer, der hintere Teil des Rosentals mit seinem Aussichtsturm, Der Bienitz oder das Stötteritzer Wäldchen. Wie grüne Inseln außerhalb des Auwaldes bereichern sie die Waldlandschaft der Stadt. All deren Namensherkunft zu erklären, würde wohl eine ganze Ausgabe füllen.

Lassen wir das, sondern gehen lieber gleich auf Entdeckungstour. Der Rosentalturm auf dem 25 Meter hohen Scherbelberg ist mir am nächsten – damit ist die Distanz zwischen ihm und meiner Haustür gemeint. Den 20 Meter hohen Aussichtsturm zu besteigen ist nicht ganz ohne. Er ist nicht schief, dafür wackelt er: Wenn allzu viele Füße hinauf- oder hinab wollen, erwacht er zum Leben. Nichts für schwache Mägen. Doch der Rundumblick dann ist phantastisch: Die Skyline der Innenstadt, die Kleingartenlandschaft von Möckern, das Leutzscher Holz (wie ein Fremdkörper davor das Klärwerk Rosental), Plagwitz und Lindenau und noch weiter dahinter die Hochhäuser von Grünau.
Zu Füßen des Hügels, den der Volksmund auch „Monte Scherbelino“ nennt, geht es zur Frühlingszeit ziemlich geräuschvoll zu. Dann ist Laichzeit (die schon im Spätwinter beginnen kann) im Teich, der sinnigerweise Froschteich heißt. Vom östlichen Uferweg aus reichen die ausladenden Äste von Laubbäumen über das Gewässer.

Über den Marienweg, der hier vorbeiführt, komme ich auf den östlichen Damm der Luppe, die nun im weiten Bogen vorbei am Auensee führt. Es ist mächtig was los auf dem schmalen, asphaltierten Damm, per Rad oder zu Fuß sind Ausflügler in Scharen unterwegs. Die ehemalige Deponie am Heuweg ist inzwischen zu einem üppig bewachsenen Hügel geworden. Weiter geht’s. Zu meiner Linken das Naturschutzgebiet Burgaue, zur Rechten naht der Schlosspark Lützschena, der sich wie ein dichter Wald mit besonders vielen Eichen präsentiert. Hier ist es so schattig, dass im Sommer angenehme Kühle auftreten kann. Wasserläufe, Teiche und Gräben, eine Fülle von Blütenpflanzen sowie verschlungene Wege machen diesem im englischen Stil 1822 angelegten Park so erlebnisreich. Südlich der Luppe, im Hänicher Holz bzw. im Domholz, zwei Objekte, die in ihrem Zustand unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist einmal Schlobachshof, einstmals mit Reithalle, Ställen, Quartieren und Gastronomie. Mehrmals hatte es mich auch hierhin verschlagen und ich habe die Pferde bewundert. Heute ist alles verwahrlost. Ein Lost Place inmitten der Natur. Doch wenn es nach der Stadt geht, nicht mehr lange. Sie stellt sich eine Umgestaltung des Geländes zu einem Infozentrum Auenlandschaft vor „unter Berücksichtigung des Natur-, Denkmal- und Hochwasserschutzes“, so Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke). [...]

Darf die Polizei das?

DÜRFEN SIE DAS e.V. ist eine Aufklärungskampagne im Aufbau, die darüber informiert, was die Polizei in verschiedenen Rollen und Situationen darf und wie wir – Menschen, die nicht zur Polizei gehören – uns verhalten können, wenn wir in Kontakt mit ihr kommen. Momentan beschränkt sich die Kampagne auf die Berliner Polizei, da der Verein seinen Sitz in der Hauptstadt hat. Doch obwohl Polizei Ländersache ist, gilt in vielen Bundesländern das Gleiche und viele Regeln kommen aus Bundesgesetzen, so dass man sich auch als Mensch aus Sachsen oder einem anderen Bundesland über die Inhalte informieren kann. Der Verein ist ein ehrenamtliches Projekt und versteht sich als unabhängig. Die KiPPE sprach mit Vorstandsmitglied Luisa aus Leipzig.

Interview: Sandy Feldbacher & Foto: Tim Reckmann (www.pixelio.de)

KiPPE: Wie ist es zur Vereinsgründung gekommen? Seit wann bist du dabei? Und was war eure Motivation?
Luisa: Ich bin seit November 2020 dabei. Da gab es bereits die Idee und den ersten Zusammenschluss. Im Frühjahr 2021 haben wir uns dazu entschieden, einen Verein zu gründen. Wir leben in Leipzig und Berlin in sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten bzw. gibt es in Leipzig ja noch immer eine Waffenverbotszone um die Eisenbahnstraße herum, also in Bereichen, in denen man Menschen anlasslos kontrollieren darf. Dort ist festzustellen, dass Menschen, die nicht weiß sind oder zum Beispiel Kopftuch tragen, von der Polizei anders behandelt werden. Man nennt das auch Racial Profiling. Das hat das Gründungsteam von DÜRFEN SIE DAS? besonders bewegt und dazu motiviert, etwas dagegen zu setzen: Wir wollen vor allem Menschen aufklären, die besonders oft Adressat/innen polizeilicher Maßnahmen werden. Sie sollen wissen, was ihre Rechte und Pflichten gegenüber der Polizei sind, was aber auch die Rechte und Pflichten der Polizei sind. Das war die Grundidee. Hierfür haben wir einen großen Fragenkatalog zusammengestellt, den wir nach und nach beantworten und auf unserer Website wie auch Social Media präsentieren wollen. In den Antworten soll man suchen und finden können, wie man sich z.B. während Polizeikontrollen verhalten sollte und welche Rechte man hat. Man kann sich aber auch mit allgemeinen Fragen an uns wenden, wobei wir allerdings keine Rechtsberatung leisten können.

Habt ihr schon Ideen, wie ihr die Leute auf euch aufmerksam macht?
Zurzeit läuft das größtenteils über Social Media. Wir sind mit anderen Organisationen vernetzt, die marginalisierten Gruppen Hilfestellungen geben. Bei polizeilichen Fragen können die Betroffenen an uns verwiesen werden. Außerdem haben wir eine Website und legen Wert auf direkten Kontakt: Ein Vorstandsmitglied hat ein Projekt der Obdachlosenhilfe in Berlin besucht und mit obdachlosen Menschen gesprochen. In dem Kontext ging es viel darum, ob einen die Polizei wegschicken kann, wenn man im öffentlichen Raum schläft. Vor allem in der Corona-Pandemie gab es viele Fragen zu Masken- und Impfpflicht oder Ausgangssperren – was machen obdachlose Menschen in Zeiten von Ausgangssperren? Insgesamt versuchen wir unsere Informationen möglichst breit zu streuen und auch die Menschen zu erreichen, die sonst nicht die Möglichkeit haben, sich zu informieren. Dafür wollen wir die Infos in möglichst viele Sprachen übersetzen. [...]

Integration durch Fußball

Die Integration von Zuwanderern ist sehr wichtig für ihr Leben in Deutschland. Dabei können Sport-Vereine sehr hilfreich sein, denn dadurch treten insbesondere Kinder und Jugendliche in Kontakt mit Gleichaltrigen und können Freunde finden. Die KiPPE hat in verschiedenen Fußball-Vereinen nachgefragt, wie Integration bei ihnen insbesondere vor dem Hintergrund der Ukraine-Hilfe gelebt wird.

Text: Yannis Zimmermann & Foto: pexels

Beim SV Lindenau 1848 e.V., der 2015 mit dem Integrationspreis 2014 vom DFB und Mercedes Benz ausgezeichnet wurde, spielen die neuen Zuwanderer aus der Ukraine genau die gleiche Rolle wie andere in der Vergangenheit sowie in der Zukunft auch, sagt Pressesprecher Ralf Wittke. Hier spielen seit vielen Jahren Kinder und Jugendliche mit Flucht- und Migrationshintergrund Fußball. Der Verein sammle außerdem Spenden für Menschen aus der Ukraine in Form von Fußballschuhen oder allgemein Kleidung sowie Geld. Kommunikationsschwierigkeiten gebe es kaum, weil die Fußballregeln weltweit bekannt seien. Wenn doch einmal etwas nicht verstanden wird, erkläre man es mit „Händen und Füßen“. Die Sportart, die wahrscheinlich die meisten mit Integration verbinden, ist Fußball. Aber stimmt das? Zumindest sieht es Ralf Wittke auch so, denn der Fußball sei schnell erlernbar, habe einfache Spielregeln und sei sehr beliebt, außerdem brauche man kein teures Equipment wie bei anderen Sportarten, was den Fußball auch bei Menschen mit weniger Geld attraktiver mache. In den Altersklassen 6 bis 18 Jahre gebe es am meisten Anmeldungen von Zuwanderern, und sie seien in den Klassen etwa gleich verteilt.

Man kann also sagen, dass der Sport im Allgemeinen ein Weg ist, das neue Land und die Menschen besser kennenzulernen. Dort werden Barrieren kommunikativ schnell abgebaut und neue Freunde gewonnen. Weiterhin hilft die Zeit im Sportverein vielleicht auch, ein Stück weit die schrecklichen Erlebnisse von Krieg und Flucht zu vergessen. [...]

Familie - für uns

We are Family!

Schon immer lebten Menschen in Gruppen. Bis heute ist das in der Regel so, auch wenn sich die Gruppengröße über die Jahrtausende verändert haben mag. Die Gruppenformen, die man heute als „Familie“ bezeichnet, sind vielfältiger geworden. Nicht mehr nur Menschen, die direkt verwandt sind, können eine Familie sein, sondern auch Pflegefamilien, kinderlose Paare, Patchworkfamilien, Wahlfamilien u.v.m. In unserem Titelthema wollen wir das System Familie unter die Lupe nehmen: Was ist alles Familie, welchen Einfluss hat sie auf unser Leben und was macht Familienleben aus?

Text: Sandy Feldbacher & Foto: Craig Adderley / Pexels


Jeder Mensch hat eine Herkunftsfamilie und erwächst aus mehreren Familien – zunächst einmal aus der der Mutter und der des Vaters. In Stammbäumen oder so genannten Genogrammen kann man seinen Ahnen auf die Spur gehen. Und das sind ziemlich viele: Schon auf der Ebene unserer Urururgroßeltern befinden sich 32 Personen! Vorwärts bis zu den eigenen Eltern dazugerechnet, werden es bereist 54 Personen! Und da sind Geschwister komplett ausgeklammert. Sich vorzustellen, welche Beziehungen, Dynamiken Konstellationen, Strukturen und Verstrickungen es allein zwischen diesen Menschen gab und gibt, kann schon mal zu Schwindelgefühlen führen. Es ist ein komplexes System, aus dem wir hervorgehen und das laut Psychologie einen wichtigen Einfluss auf unser Leben hat. Prägungen finden direkt und indirekt über Gene, Verhalten und Erfahrungen der Familienmitglieder statt. Traumata können etwa über Generationen Auswirkungen haben, ebenso wie positive Erfahrungen und familiäre Ressourcen.

Familie lediglich als Konstrukt aus Vater, Mutter, Kind ist vielfach längst überholt. Aufgrund einer größeren Akzeptanz für Scheidungen und Trennungen sowie mehr Liberalität gegenüber queeren Paaren gibt es heute viele Patchwork- und Regenbogenfamilien. Im ersten Fall ist die Familie aus verschiedenen Teilfamilien, die sich aus aktuellen und Ex-Beziehungen ergeben haben, zusammengesetzt. Im zweiten Fall sind die Eltern gleich- oder transgeschlechtlich. Auch Alleinerziehende, Singles, kinderlose Paare und Freund/innen identifizieren sich als Familie. [...]

Die Nachfrage nach Haustieren steigt

In Pandemiezeiten scheint der Wunsch nach Haustieren besonders groß zu sein. Egal, ob in Leipzig, Halle oder anderswo. Diese Erfahrung macht auch der Tierschutz Halle e.V. In einem Interview mit Vorstandmitglied Janice Karcher geht es neben aktuellen Trends um Vermittlung, um Beachtenswertes und artgerechte Haltung. Den Verein in Halle gibt es seit über 30 Jahren, und neben möglichen BuFdi und FÖJ-Stellen wird hier alles ausschließlich ehrenamtlich gestemmt.

Text: Interview: Sandy Feldbacher & Foto: Tierschutz Halle e.V.

KiPPE: Können Sie uns einen kleinen Überblick über den Tierschutz-Verein und dessen Aktivitäten geben?
J.K.: Wir kümmern uns vor Ort um die tägliche Versorgung unserer Tiere vor Ort, also füttern, Medikamente bereithalten, reinigen usw. Außerdem führen wir Fahrten zum Tierarzt bzw. zu Tierkliniken durch, bieten Unterstützung bei der Versorgung und Kastration von Straßenkatzen an, holen Spenden in den verschiedenen Einkaufsmärkten ab, betreiben Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen Medien und betreuen Tierpaten.

Weiter aufzulisten sind:
· Organisation von Arbeitseinsätzen, Versammlungen, Festivitäten,
· Spendenakquirierung,
· Instandhaltung unserer Gebäude und des Vereinsgeländes,
· Kooperation mit anderen Tierheimen und Tierschutzvereinen,
· der Bildungsbereich für Kinder- und Jugendliche wird derzeit wieder aufgebaut,
· Projektgruppe Stadttauben

Wie sind Sie organisiert?
Es gibt den Vorstand, eine Tierheimleitung und stellvertretende Tierheimleitung, Arbeitsgruppenleiter der verschiedenen Tier- und Aufgabenbereiche und natürlich die ganzen fleißigen Helferinnen und Helfer. Alle Positionen werden durch Ehrenamtliche abgedeckt. Zusätzlich haben wir FöJ`ler. Wir finanzieren uns ausschließlich über Spenden. Aktuell haben wir um die 100 Ehrenamtlichen bei uns im Verein.

Was sind aktuell Ihre wichtigsten Themen? Haben Sie etwa Tiere aus der Ukraine aufgenommen?
Unter Berücksichtigung der Vorgaben des örtlichen Veterinäramtes können wir aktuell mit der Suche nach Pflege-/ Quarantäneplätzen unterstützen. Ebenso mit Sachspenden für den Tierbedarf und Beratung sowie Informationsweitergabe. Weitere Möglichkeiten befinden sich derzeit noch in Klärung. [...]