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Heute schon gelacht?

Die Kraft des hüpfenden Zwerchfells

Jeden Freitagabend begrüßt Oliver Welke ein Millionenpublikum zur „heute-show“, einer Nachrichtensatire im ZDF. Der Moderator blickt darin mit wechselnden Gästen auf das politische Wochengeschehen zurück, Menschen und Ereignisse des öffentlichen Lebens werden dabei aufs Korn genommen. Ganz nebenbei wird dadurch auf Missstände aufmerksam gemacht und Kritik geübt – ein erstaunliches Gesamtpaket, was Humor hier bietet und das alles GEZ-finanziert! Doch nicht alle können oder wollen mitlachen. Humor hat auch Feinde, wie zugleich noch viele weitere positive Effekte.

Text: Sandy Feldbacher & Illustration: Schwarwel


Schon in der Antike gab es Amüsantes. Aristoteles soll im Rahmen seiner Poetik neben je einem Buch über Tragödie und Epos auch eins über die Komödie sowie das Lächerliche verfasst haben. Der Witz an dieser Geschichte: Genau dieses Werk gilt bis heute als verschollen. Umberto Eco vermutet in seinem berühmten Roman „Der Name der Rose“, dass ein grummeliger Mönch im Mittelalter dafür gesorgt habe, dass jeder, der das Buch liest, stirbt und es schließlich vernichtet wird. Der Grund: Es sei gotteslästernd, so banale Dinge wie die Komödie zu verherrlichen und Humor deshalb gefährlich und überflüssig. Tatsächlich waren Mittelalter und Renaissance deutlich ernster als die Hochkultur der Griechen. Lustiges wurde aus Kirche und höfischer Kultur verdrängt und zu einem Thema der Volkskultur.
Auch im Zeitalter der Aufklärung hatte Humor keinen guten Ruf, sondern wurde als Vergehen gegen das Ideal der Ernsthaftigkeit und logischen Argumentation aufgefasst. In Leipzig vertrieb man in dieser Zeit sogar den Humor der Volkskultur in Gestalt des Hanswurst, einer derb-komischen Figur der deutschen Stegreifkomödie, die von Wandertheatergruppen auf Jahrmärkten aufgeführt wurde, aus der Stadt. Federführend war hier der Gelehrte Johann Christoph Gottsched zusammen mit der Schauspielerin Friederike Caroline Neuber. Die beiden wollten auf diese Weise Qualität und Sozialstatus der deutschen Komödie anheben. Ironie der Geschichte – die Schauspielgruppe der Neuberin konnte aus finanziellen Gründen nicht ganz auf die Figur des Hanswursts verzichten – derbe Witze sind nun mal meist die besseren.
Eine besondere Form des Humors ist Satire, die häufig bis ins Äußerste geht – eine Kunst, über die nicht jeder lachen kann. Vor allem wenn man selbst betroffen ist. Bekanntestes Beispiel der jüngeren Geschichte ist wohl der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der 2016 auf ein Schmähgedicht des deutschen Satirikers Jan Böhmermann mit einer Klage samt politischer Spannungen reagierte. Trauriger Höhepunkt des Satire-Unverständnisses: Ein Jahr zuvor hatten sich islamistische Terroristen die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo" als Anschlagsziel ausgesucht – weil diese eine Mohammed-Karikatur des dänischen Zeichners Kurt Westergaard abgedruckt hatte. Zwölf Redakteure der Zeitung wurden bei dem Terroranschlag getötet. [...]

Therapie, Motivation, Erprobung: Mit Adaption in ein neues Leben finden

Wenn einem das eigene Leben durch eine Suchterkrankung entgleitet, wenn sich Beziehungen zu Partnern, Kindern und Freunden auflösen und geordnete Alltagsverhältnisse zu Bruch gehen, dann ist eine stationäre Therapie oft der einzige Weg aus der Abwärtsspirale. Für viele Betroffene ist sie aber nur der erste Schritt zurück in ein abstinentes und zufriedenes Leben. Sogenannte Adaptionseinrichtungen unterstützen Patienten auch im Anschluss und bereiten sie auf den Alltag vor.

Text: Ramon Bauer & Foto: Alicia Müller


Auch in Leipzig bieten solche Einrichtungen umfassende Hilfestellungen. Eine davon ist momentan mein Zuhause, Therapieort und sozialer Mittelpunkt. Weil ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass eine zusätzliche Phase zwischen Therapie und „echtem Leben“ in vielerlei Hinsicht guttut und sinnvoll ist, möchte ich von diesem ungleichen Zwilling der stationären Langzeittherapie erzählen. Aber der Reihe nach …

Ich bin suchtkrank, seit rund 20 Jahren. 2018 habe ich in einer steil ansteigenden Kurve immer mehr Alkohol getrunken, zuletzt zwei bis drei Flaschen Wodka am Tag. Seit fünf Jahren nahm ich morgens Opioid-Tabletten, um in die Gänge zu kommen. Unfälle, das Ende einer langjährigen Beziehung und natürlich Auffälligkeiten bei der Arbeit waren die direkte Folge. Eine Selbstzerstörung, die durch einen Todesfall in meiner Familie noch beschleunigt wurde. Obwohl ich von verschiedenen Seiten immer wieder hörte, ich solle eine Therapie machen, habe ich mich lange Zeit dagegen gewehrt: „Ich kann das alleine schaffen“, „Eine Entgiftung und dann Psychotherapie, das reicht“, „Ich muss doch arbeiten gehen“ …

Mit solchen und ähnlichen Äußerungen schob ich das Unvermeidliche immer wieder auf. Unvermeidlich, da bei mir die Toleranzentwicklung gegenüber dem Alkohol sehr stark ausgeprägt war und es bei steigenden Mengen einfach irgendwann nicht mehr möglich ist, „normal“, d. h. funktional und selbsterhaltend, zu leben. Man stürzt tatsächlich ab, verliert die Kontrolle.

2018 kam ich auf vier stationäre Entgiftungen, einen Unfall mit zwei Frakturen, drei Mal bin ich in Krankenhäusern zu mir gekommen und drei Mal hat mich die Polizei heimgebracht, weil ich abends schlafend oder apathisch aufgegriffen worden war. Hinzu kommen etliche „Ausfälle“ im Haus, ziellose Zugfahrten, verlorene Wertgegenstände und vergessene Termine. Die Liste der Beinahe-Katastrophen wurde lang, bevor ich mit Unterstützung meines damaligen Arbeitgebers den ersten Therapieversuch unternahm. Es sollten zwei Anläufe werden und der zweite gelang schließlich. In der Nähe von Stuttgart verbrachte ich dann drei Monate in einer Suchtklinik. Im Verlauf meiner Therapie dort wurde deutlich, dass ein konsequenter Wechsel von Wohnort und Umfeld für meine zukünftige Stabilität und damit für meine körperliche und geistige Gesundheit förderlich wäre. Dies war dann der Zeitpunkt, an dem ich erfuhr, was eine Adaption ist. Ein Sozialarbeiter der Klinik erklärte mir geduldig, dass ich nicht weiter in Stuttgart wohnen und arbeiten müsse; ich könne zwischen verschiedenen Orten wählen, sofern Plätze frei wären, ich würde dort therapeutisch betreut. [...]

„Wo der Bürger aufhört, beginnt das Paradies“

„König der Vagabunden“, Anarchist, Bürgerschreck, Chefredakteur des Vorläufers aller Straßenzeitungen, Organisator des „Ersten Internationalen Vagabundenkongresses“. Gregor Gog ist in der Weimarer Republik so prominent wie gefürchtet. Ein Comic zeichnet nun seine politische Biografie und damit einen fast vergessenen Teil deutscher Sozial- und Bewegungsgeschichte nach.

Text: Bastian Pütter & Illustration: Bea Davies

Es ist die Zeit der gesellschaftlichen Transformationen, der Revolutionen und der Menschheitskatastrophen in Europa, in die Gregor Gogs Lebensspanne fällt. 1891 in Schwerin an der Warthe (heutiges Skwierzyna in West-Polen) geboren und in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, ist Gogs Biografie selbst geprägt von Umbrüchen und Richtungswechseln, von kurzem Ruhm – und von Leid sowie Entbehrungen bis zum frühen Tod im sowjetischen Hinterland 1945.

Eigentlich will Gog nur die Welt sehen. Mit 19 zu alt zum Anheuern auf Handelsschiffen, geht er zur Kriegsmarine – und wird 1914 unfreiwillig zum Kriegsteilnehmer, der Beginn seiner politischen Biografie. „Gog ist spätestens während des Ersten Weltkrieges mit anarchistisch gesinnten Matrosen zusammengekommen und hat dort einen illegal organisierten Lesezirkel besucht“, sagt Patrick Spät, Autor des soeben im Avant-Verlag erschienenen Comics „Der König der Vagabunden“. „Ab da war er, um es kurz zu machen, Anarchist.“ Mehrmals steht Gog wegen Anstiftung zur Meuterei und der Verbreitung antimilitaristischer Propaganda vor Militärgerichten, wird in „Irrenhäuser“ eingewiesen, nierenkrank durch die Haft wird er 1917 als „dauernd kriegsunbrauchbar“ entlassen. 1918 beteiligt er sich am Kieler Matrosenaufstand und wandert nach dem Scheitern der Revolution ins schwäbische Bad Urach. Die „Kommune am Grünen Weg“ ist Anziehungspunkt für Anarchisten, Kommunisten, Künstler, Proto-Hippies, Lebensreformer, Wanderprediger.

Herberge für alle
Der Comic zeigt Gog mit seiner Frau Anni Geiger-Gog, mit dem Dichter und Räterepublikaner Erich Mühsam, mit dem Wanderprediger und „Vater der Alternativbewegungen“ Gusto Gräser und dem späteren DDR-Hymnendichter und -Kulturminister Johannes R. Becher in einer Art libertärem Paradies. Gog verlässt es, weil er die Wanderschaft und die praktische Politik den neochristlichen Heilslehren vorzieht. Unterwegs lernt er den Dortmunder Maler Hans Tombrock und die Tänzerin und Dichterin Jo Mihaly kennen. Die „Tippelschwester“ mit dem angenommenen Roma-Namen wird viele Gedichte für Gogs Zeitschrift „Der Kunde“ schreiben. Ihre Bücher werden von den Nazis 1933 verboten und verbrannt. [...]

Menschen & Muse(e)n

Zurück in die Zukunft – Leipziger Museen auf Innovationskurs

Die Zahl der Museen weltweit und ihrer Besucher/innen sind im letzten Jahrzehnt gestiegen, obwohl das Konzept aus dem 19. Jahrhundert stammt. Doch vielleicht ist es gerade dieses aus der Zeit gefallen Sein, das Museen im Zeitalter der Digitalisierung interessanter werden lässt, da reale Erlebnisse, originale Kunstwerke und authentische Orte an Wert gewinnen. Dieser Meinung ist zumindest Tobias Nettke, Professor für Museumskunde an der HTW Berlin, in einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur. Es gehe nun mal neben Wissen, das heute leicht zugänglich ist, auch ums Gefühl. Nichtsdestotrotz müssten sich Museen laut zukunft-museum.de auf den demografischen Wandel und die veränderten Sehgewohnheiten im Digitalzeitalter einstellen und auch zu interaktiven Orten der Kommunikation werden. Dies gehe Hand in Hand mit den neuen Wünschen von Besucher/innen: Sie wollen teilhaben und mitdiskutieren. Welche zukunftsweisenden Konzepte halten Leipzigs Museen bereit? Dieser Frage ist die KiPPE anhand von drei Beispielen nachgegangen.

Text: Roxana Isabelle Verniest u. Sandy Feldbacher & Foto: Eric Kemnitz


MdbK – Museum der bildenden Künste
Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig
Das Innere aus Glas, Sichtbeton, Muschelkalk und Eichholz ist gigantisch, die Höhe fast schon monumental. Eine einmalige Weite eröffnet sich, spannende Sichtachsen bilden sich heraus. Ein Blick in die Treppenhäuser und selbstverständlich in die Ausstellungsräume, auf vier Etagen verteilt, vervollständigt die Vielfalt der Architektur und der Kunstsammlungen.

Ein Potpourri durch die Zeit – alte Meister, Moderne, DDR-Kunst bis hin zur Gegenwartskunst. Im Herzen der Stadt und neben der spektakulären Atmosphäre bildet sich im MdbK vor allem ein neues Museumskonzept heraus: Gemälde, Grafiken, Skulpturen sind die Klassiker eines Museums, jedoch findet sich hier auch eine Online-Sammlung, eine immer größer werdende Social Media Plattform und sogar – ganz neu – eine Podcast-Reihe (MdbK [talk]). Mit dem Projekt MdbK [mobil] lernt das Museum der bildenden Künste Menschen, Orte und Geschichten im Landkreis Leipzig kennen, gewinnt neue Perspektiven und stößt gemeinschaftliche Prozesse an. Gut zu wissen! Eintritt frei bis zum vollendeten 19. Lebensjahr und am 1. Mittwoch im Monat.

INSPIRATA
Deutscher Platz 4, Eingang G, 04103 Leipzig
Ein ehrenamtlicher Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung zu unterstützen. Das wird nicht mit komplizierten Formeln und Symbolen erreicht, sondern ganz anschaulich – zum Anfassen, Erleben, Staunen und Experimentieren. Mit dem Zentrum hat sich ein außerschulischer Lern- und Entdeckungsort etabliert, der sowohl Kinder als auch Lehrpersonal, Jugendliche, Familien und Studierende in seinen Bann zieht. Als erstes MI(N)T-Mach-Museum Leipzigs bietet die INSPIRATA zahlreiche Möglichkeiten, sich interaktiv und spielerisch mit mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Phänomenen auseinanderzusetzen. Die mittlerweile über 150 interaktive Exponate umfassende Sammlung mit verblüffenden Effekten, kniffligen Aufgaben ist eine Attraktion für viele Besucher/innen. Die Angebote richten sich vorrangig an Schulklassen, Hortgruppen und Kindergartengruppen, aber auch interessierte Einzelbesucher/innen haben die Möglichkeit, durch eigenes Experimentieren die Gesetze der Natur erfahren zu können. Je nach den aktuellen Möglichkeiten des Vereins und der vielfältigen Unterstützung durch seine Partner werden wechselnde Sonderausstellungen zu MINT-Themen mit Alltagsbezügen oder verbunden mit Gebieten wie Kunst, Musik und Sport gestaltet. Die INSPIRATA zeichnet sich besonders durch ein intensives Betreuungssystem mit wissenschaftlich-pädagogischem Anspruch aus. Hauptsächlich wird das durch Lehramtsstudent/innen verwirklicht. [...]

Das Sehnen färbt die Stimme ein

Uschi Brüning, geboren 1947 in Leipzig, ist eine deutsche Jazz- und Soulsängerin mit einzigartiger Stimme. Anfang des Jahres veröffentlichte sie ihre Autobiographie. Ihre wichtigsten Förderer und Wegbegleiter waren Manfred Krug und der Jazzmusiker Ernst-Ludwig Petrowsky, mit dem sie heute verheiratet ist. Die Leipziger Radiomacherin Katja Röckel alias Mrs. Pepstein traf sie bei der Feministischen Sommeruni in Leipzig und interviewte sie für Ihre Sendung „Mrs. Pepsteins Welt” bei Radio Blau. Uns stellte sie das Interview freundlicherweise zum Abdrucken zur Verfügung.

Foto: © Kristin Schley


Katja Röckel: Frau Brüning, Sie sind in Leipzig aufgewachsen. Wie ist es für Sie, hier zu sein?
Uschi Brüning: Ich habe nicht mehr so eine große Beziehung zu Leipzig. Die Mutti lebt nicht mehr, meine Wallfahrtsstation – ihre Wohnung – wurde abgerissen, und ich habe mich dann seelisch mehr in Berlin eingerichtet. Leipzig ist heute eine neue Stadt für mich.

In diesem Jahr ist Ihre Autobiografie „So wie ich“ erschienen. Inwiefern ist das Buch, in dem Sie von Ihrem Leben als Musikerin erzählen, wichtig für junge Musikerinnen heute?
Ich denke, es kann dem Vergleich, der Kenntnisnahme und Information dienen. Wir beziehen auch das Leben in der DDR mit ein, weshalb es nicht nur eine Biografie, sondern auch eine kleine Dokumentation ist, die interessant sein könnte für die Nachgeborenen.

Wie sind Sie professionelle Musikerin geworden? Sie beschreiben in dem Buch, dass das Singen für Sie immer ein „Überlebensmittel“ war.
Ich habe immer gesungen und das hat nie nachgelassen. Schon als zwölfjähriges Mädchen hatte ich den Traum, irgendwann mal groß und berühmt zu werden. Dann habe ich in einer Amateurband gespielt und irgendwie eilte mein Ruf bis nach Berlin und Klaus Lenz fragte mich ganz direkt, ob ich als Berufssängerin in seine Band einsteigen wolle. Das war nicht irgendeine Band. Lenz war etwas ganz Berühmtes und Besonderes – da sagt man einfach nicht nein, wenn es einem ernst ist. Also habe ich zugesagt und es nie bereut.

In der Musik, die Sie auch heute noch machen, hört man sehr viel Melancholie, zum Beispiel auch in dem Burt-Bacharach-Klassiker, den Sie mit „So wie ich“ covern. Woher kommt diese Melancholie, die ja auch in Ihrer Stimme ist?
Das war mir noch gar nicht so bewusst. Die kommt natürlich aus meiner Biografie. Meine Mutter hat meine Schwester und mich allein großziehen müssen und war oft nicht da. Und ich habe sie von Kindesbeinen an sehr vermisst, auch als ich schon erwachsen war. Das ist diese ewige Sehnsucht nach Liebe, die ich suchte und die ich heute noch suche. Ich bin zwar völlig aufgefangen von meinem Mann, aber das Sehnen nach etwas Besonderem, dieses „da muss doch noch etwas kommen“, das ist nicht weggegangen und das färbt die Stimme ein. [...]