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In Bewegung bleiben

Titelthema: In Bewegung bleiben

altParalympics, ein Traum - Sechs Leipziger Sportler mit Behinderung treten in London an

Bei den diesjährigen Paralympischen Spielen mit dabei sind acht Sportler mit Behinderung aus Sachsen, davon sechs Leipziger Kandidaten aus drei verschiedenen Disziplinen: Leichtathletik, Schwimmen und Sitzvolleyball. Wir wollen Mathias Schulze näher vorstellen. Er gehört zu den Leichtathleten, und seine Disziplin bei den diesjährigen Paralympics ist Kugelstoßen.


Sport als Berufung
1983 in Magdeburg geboren, lebt Mathias Schulze seit 2010 in Leipzig. Sportlich aktiv ist er seit 1995 und hat viele Jahre in einem Fußballverein seiner Heimatstadt gespielt. Inspiriert durch die Paralympischen Spiele 2004 und mit dem klaren Ziel der Teilnahme an zukünftigen Paralympics vor Augen meldete sich Mathias Schulze beim damaligen Bundestrainer des Deutschen Behindertensportverbandes, Ralf Otto, mit folgenden Worten: „Ich bin groß, athletisch und hätte Lust bei den Paralympischen Spielen mit dabei zu sein!“ Daraufhin wurde Mathias Schulze zum Sichtungstraining eingeladen und schnell war klar, dass Werfen mit Diskus und Stoßen mit der Kugel die richtigen Disziplinen für ihn sind. So kam Mathias Schulze im Jahre 2005 zum Behindertensport.
Welche Behinderung hat Mathias Schulze? Infolge einer Rötelerkrankung seiner Mutter während der Frühschwangerschaft ist sein linker Arm einige Zentimeter unterhalb des Ellenbogens verstümmelt und ihm fehlt die linke Hand. Auch wenn Mathias Schulze die Behinderung bereits seit seiner Geburt hat, beeinträchtigt diese Einschränkung sein Leben: „Viele sagen: ‚Na dann hast Du ja gar keine Probleme, dann ist das ja ganz normal. Wäre ja schlimmer, wenn es mit 20 bei einem Motorradunfall passiert wäre.‘ Dem würde ich nicht ganz zustimmen, weil von der Psyche her…man war immer der ANDERE, man ist immer der Einarmige! Damit muss man sich auch erst mal arrangieren.“ Vor allem als Kind hatte er Anpassungsprobleme. Heute hat er sich damit abgefunden und geht selbstbewusst mit seiner Behinderung um.


Für die Paralympics werden die Sportler je nach Art der Behinderung in verschiedene Schadensklassen eingeteilt, die international gültig sind. Nur Sportler aus bestimmten Schadensklassen werden als Wettkampfgegner in einer Disziplin zugelassen, das dient der Chancengleichheit. Welche das sind, ändert sich immer wieder, so dass Mathias Schulze Glück hat, mit seiner Schadensklasse dabei zu sein. Beim Kugelstoßen werden dieses Mal Sportler Paralympics, ein Traum mit einer einseitigen Ober- oder Unterarm- Amputation im Wettkampf gegeneinander antreten.
Die Athleten, die an den Paralympics teilnehmen, werden wie alle anderen Leistungssportler auf Dopingmissbrauch untersucht. So ist auch Mathias Schulze im Testpool der NADA (Nationale Anti-Doping Agentur) und muss einen Stundenplan über seinen Tagesablauf führen. Er muss sich abmelden, wenn er ins Trainingslager fährt, und rund um die Uhr erreichbar sein, damit kurzfristig z. B. eine Urinprobe genommen werden kann. [...]

„Ich muss dazu stehen“

„Ich muss dazu stehen“

Die vielen Schicksalsschläge des Norbert Beule

altDas Mobiliar in dieser Einraumwohnung im vierten Stock des Plattenbaus verrät Improvisationsgeschick und den Verzicht auf Äußerlichkeiten. Schränke, Tische, Stühle und Regal sind zusammengetragen, einiges ist vom Sperrmüll ergattert oder durch Spenden gewonnen. Schlichtes Ambiente auf knapp 30 Quadratmetern. Blickfang an zwei Stellen: Ein kleiner Altar auf dem Küchenregal mit Marienfigur und Kerzen sowie an der gegenüberliegenden Wohnzimmerwand ein Bildersammelsurium mit Fotos der Kinder und selbstgemalte Clownsmotive. Einer der Spaßmacher hat Tränen in den Augen.


Leichtes Lernen gehabt

Kinder und Clowns. Zwischen Spaß, Neugier, Maskerade, Aufstehen und Anteilnahme. Kindheit braucht Unbeschwertheit, Begleitung und die Anteilnahme in freudigen und traurigen Momenten. Kinder. Die hat Norbert Beule schon vor vielen Jahren verloren – weil es keinen Kontakt mehr gibt und die Kinder es nicht wollen. Er selbst wäre den Dreien ein guter Vater weiterhin, so wie am Anfang seiner frühen Ehe, als noch vieles möglich war auf dem Weg in ein glückliches Leben.
Über seine eigene Kindheit will Norbert Beule nicht sprechen, seine sonst lustigen, zusammengekniffenen Augen verfinstern sich und er schluckt. Nur soviel: Aufgewachsen unter ärmlichen Verhältnissen mit zwei Geschwistern im Sauerland ist es sein Großvater, der sich an ihm vergeht. Mehrmals. Und die Mutter weiß es und sie ist zu schwach, um sich dagegen aufzulehnen. Sie weint nur und tröstet den Jungen.


Ist hier schon der Wille bei Norbert Beule erwacht, gegen Übel des Lebens mit eigenen Mitteln anzugehen, statt zu zerbrechen? „Ich weiß es nicht“, meint er und streicht sich bedächtig über den Schnauzbart. Aber er findet Stärken, seine Stärken. In der Schule sind es Bestleistungen, „Weil mir lernen immer leichtfiel“, und in der Ausbildung und im Studium sind es der Sinn für Zahlen und Rechnungswesen. Mathematische Begabung sowie Klugheit, Fleiß und Ausdauer ebnen ihm den Weg zum Bankkaufmann. Alles mit Einser-Noten.
Noch während des Studiums heiratet er, zwei Kinder kommen zur Welt. Um sich was dazuzuverdienen, gibt er anderen Kommilitonen Nachhilfeunterricht. Diese kommen aus besserem Hause, denen ist es egal, ob sie 20 oder 30 Mark für die Stunde hinblättern. Für Norbert Beule ist es eine gute Hilfe neben den 300 Mark BAföG. Das war Anfang der 70er Jahre.


Wenn Norbert Beule auf seinen Beruf zu sprechen kommt, ist er kaum zu bremsen und geht ins Detail. Da ist ihm schwer zu folgen. Es fallen Begriffe wie Kreditlimit, Revision und Wechsel. Ein Banker mit Leib und Seele. Für seinen Chef ist er schon zu Höherem berufen, Beule wechselt in die Kreditabteilung, was ein Umzug in die Vorstandsetage der Genossenschaftsbank mit sich bringt. Anerkennend sagt sein Chef mal zu ihm: „Sie haben die Gabe, mit einem armen Schlucker genauso klarzukommen wie mit hochgestellten Doktoren.“ Trotzdem hat Beule bald ein ungutes Gefühl. Die Karriere geht ihm zu schnell und der tägliche Umgang mit Kunden bei einer Handlungsvollmacht von mehreren 100 000 Mark ist ein knallhartes Geschäft. Und viele Kollegen neiden ihm seine Nähe zum Chef. Doch die Kohle stimmt, Norbert Beule kann es sich leisten, mit seiner Familie mehrmals im Jahr ins Ausland zu verreisen, alle drei Jahre steht ein neues Auto in der Garage. Die Kinder geraten prächtig und die Aussicht, das väterliche Haus im Sauerland zu erben, in das er schon soviel Geld für den Umbau gesteckt hatte, verschafft ihm die Gewissheit, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. [...]

Sächsischer Robin Hood

Sächsischer Robin Hood

Vor 250 Jahren wurde Karl Stülpner geboren

altMeine Erzgebirgs-Tante aus Bärenstein an der böhmischen Grenze hatte immer viele Geschichten auf Lager, wenn ich sie in den Winterferien besuchte. Und mitunter sang sie in einem Dialekt, den ich nur schwer verstand: „Af de Barch do is holt lustich, af de Barch do is holt schie…“
Und dann erzählte sie auch vom Stülpner-Karl, der hier in den Wäldern sein Unwesen trieb und den Armen half. Da spitzte ich immer die Ohren, zumal ich über diesen Mann im „Atze“ schon eine Bildergeschichte gelesen hatte („Comic“ war als Begriff noch verpönt). In diese Person konnte man so viel hineinprojizieren, weil sich Legende und Wirklichkeit oft verwoben…



Wildern gegen den Hunger
Der spätere Volksheld wird am 30. September 1762 als Carl Heinrich Stilpner in Scharfenstein geboren. Der kleine Ort mit seiner markanten Burg liegt an der Zschopau nördlich von Annaberg-Buchholz. Allein als Zeitzeuge in einer Epoche großer Umbrüche ist Stülpners bewegtes Leben schon erwähnenswert. Französische Revolution, Koalitionskriege, Schlacht bei Jena, Befreiungskriege und beginnende Industrialisierung sind die Wegmarken, die den Sohn eines Müllergesellen begleiten. Er ist das achte Kind einer bitterarmen Familie in einer ebenso armen Region. Hunger ist an der Tagesordnung. Stehlen ist für Viele deshalb eine Frage des Überlebens. So auch für Stülpners Vater, der deshalb 1769 vor Gericht kommt: Er hatte Leinöl entwendet. Als 1771/72 im Erzgebirge eine fürchterliche Hungersnot herrscht, stirbt der Vater. Nun geht der zehnjährige Karl mit der Mutter auf „Nahrungssuche“ und sie kommen dabei selber mit dem Gesetz in Konflikt, als sie Getreide stehlen. Diese bitteren Erlebnisse lassen in ihm den Entschluss reifen, die bedrückenden Familienverhältnisse so zeitig wie möglich zu verlassen und zur Selbsthilfe zu greifen – die Wilderei wird ihn sein Leben lang begleiten.
Dazu ist zu sagen, dass Sachsens Wälder voll mit Wild waren. Doch für die hungernde Landbevölkerung, die kaum für den Eigenbedarf sorgen konnte, war es tabu. Das Wild gehörte dem Kurfürsten, die Jagd blieb dem Adel vorbehalten und auf Wilderei konnte der Tod stehen. Aus Verzweiflung über diese Ungerechtigkeit kam es zu mehreren Bauernaufständen in Sachsen, besonders 1790. Es waren nicht zuletzt die Ideen der Französischen Revolution, die auch in deutschen Landen die ärmeren Schichten erfassten.


Bevor Stülpners Ruf als Wilderer und Helfer der Armen im Erzgebirge die Runde macht und ihm dabei viele Legenden angedichtet werden, gibt es nicht weniger abenteuerliche, militärische Episoden. Als 17-Jähriger verdingt sich Karl Stülpner als Musketier beim kurfürstlichen Regiment in Chemnitz, nimmt am Bayerischen Erbfolgekrieg teil, bekommt das Privileg, in Pachtrevieren des Regiments auf Jagd zu gehen, schießt seinen Kameraden und Offizieren manches schöne Stück Wildbret, was die karge Feldküche bereichert. Doch im wahrsten Sinne des Wortes schießt er über das Ziel hinaus, wildert in fremden Revieren, wird strafversetzt, flieht und geht auf Wanderschaft durch halb Mitteleuropa. Die Wilderei setzt er dabei fort. In Bayern wird er von preußischen Werbern aufgegriffen, kommt in ein Spandauer Regiment und nimmt ab 1792 an der Seite Preußens am Ersten Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich teil. Er wird verwundet und desertiert 1794 erneut. Sein Ziel: das heimatliche Scharfenstein. Es beginnt sein „großes Treiben“, wie es im Erzgebirge überall heißt. Und es ist mit einem stillen Einvernehmen verbunden: Stülpner versorgt bedürftige Scharfensteiner mit Wild und Schmuggelware, dafür gewähren ihm die Leute Kost und Logis oder Schutz vor der Justiz. Beistand hat Stülpner bitter nötig, denn die Obrigkeit ist ihm stets auf den Fersen. Sie hatte ihn im Dezember 1795 für vogelfrei erklärt und 50 Taler auf seinen Kopf ausgesetzt, nachdem man bei einer Hausdurchsuchung seine inzwischen 77-jährige Mutter misshandelt hatte und er daraufhin als Vergeltung die Burg Scharfenstein belagert und die Besatzung in Schach hält – ganz alleine! [...]

Alle Wege führen zum Brühl

Alle Wege führen zum Brühl

Rückblick in die Geschichte der Handelsstraße

altBruel, später Brühl, bedeutet „Sumpf“ und ist zusammen mit der angrenzenden Hainstraße eine der ältesten Straßen Leipzigs. Diesen Namen, der um 1420 erstmals schriftlich erwähnt wurde, erhielt die Straße vermutlich mit dem Bau der Stadtmauer zwischen 1265 und 1270, weil das Gelände nördlich der Stadtmauer bis ins Mittelalter hinein Sumpfland gewesen ist. Daher wäre „Am Brühl“ eigentlich zutreffender gewesen. Nach den neuesten archäologischen Erkenntnissen bildete sich im Bereich des Richard-Wagner-Platzes im 7. Jahrhundert der erste slawische Markt sowie die Siedlung Lipsk (slawisch: „Lindenort“) heraus. Bereits vor der Stadtgründung im Jahre 1165 gab es hier eine lockere Bebauung, die im 13. Jahrhundert dichter wurde. Schnell entwickelte sich Leipzig durch seine Lage zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt. So war der Brühl Teil der Via Regia, des „Königswegs“! Als älteste und längste Landverbindung des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches führte sie von Westen nach Osten und war für den überregionalen Handel von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Heute ist die Via Regia eine Kulturstraße, die mit ihren 4 500 km Länge durch acht Länder Europas führt.


Der Beginn des Pelzhandels
Durch zwei Stadtbrände in den Jahren 1498 und 1518 wurden die Gebäude am Brühl zerstört, aber schnell wieder aufgebaut. Das ist ein Hinweis auf die zentrale Bedeutung des Brühls für Reisende sowie als Umschlagplatz für Waren von und nach Norden. Zahlreiche Gasthäuser luden die Kaufleute zum Übernachten ein und einige erlangten besondere Bekanntheit: Das Weinlokal von Johann Gottlieb Schönkopf am Brühl 19 wurde bekannt, weil Johann Wolfgang von Goethe sich während seiner Zeit in Leipzig (1765–1768) in die Wirtstochter verliebte. Im Gasthaus „Drey Schwanen“ am Brühl 7 fanden seit 1744 die Konzerte des ein Jahr zuvor von Kaufleuten gegründeten Konzertvereins Großes Concert statt. Mit dem Umzug in das Messehaus der Tuchwarenhändler im Jahre 1781 erhielt das Orchester den Namen Gewandhausorchester. Der „Plauensche Hof“ am Brühl 23 trug seit 1804 offiziell diesen Namen, weil vor allem Kaufleute aus Plauen in diesem Gasthof nächtigten. Der Gasthof „Zum roten und weißen Löwen“ am Brühl 3 wurde als Geburtshaus von Richard Wagner (1813–1883) berühmt – das verhinderte aber nicht seinen Abriss im Jahre 1886 und anschließenden Neubau. An der neuen Fassade ist es jetzt als gerastertes Abbild zu erkennen.
Dreimal jährlich war Messezeit, und der Handel am Brühl lag bis ins 19. Jahrhundert auf zwei Schwerpunkten: der Handel mit Wolle, Tuch und Leinen am Richard-Wagner-Platz und der Handel mit Pelzen und Leder an der Kreuzung Brühl/Reichsstraße.


Die Blütezeit im 19. Jahrhundert
Lange dominierten die Gasthäuser das Straßenbild des Brühls, aber dann wichen sie den Lagern und Werkstätten der Pelzhändler sowie den Verkaufsräumen der Kürschnerbetriebe. Der Brühl wurde zum Monopol des Pelzhandels und erlangte Weltruhm als ganzjähriger Umschlagplatz für Rauchwaren. Das Wort Rauchwaren ist bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt und stammt vom Adjektiv „rauch, rauh“ ab, das „behaart, zottig“ bedeutet. Man bezeichnete damit die gegerbten, teilweise gefärbten und unverarbeiteten Tierfelle, die das Ausgangsmaterial für Pelzgegenstände bildeten. Die Gerbereien und Färbereien befanden sich außerhalb der Stadtmauer an fließenden Gewässern, nur die Kürschnereien durften ihr Handwerk in der Stadt verrichten – mussten aber ihre Beize außerhalb entsorgen. Trotzdem war der Brühl laut zeitgenössischen Berichten „zu riechen“: Ein Duft nach Konservierungsmitteln wie Kampfer und Naphthalin, gemischt mit dem süßlichen Geruch der rohen Felle, lag ständig in der Luft.
Ab 1860 entstand das typische Bild einer Ladenstraße mit Durchgängen und Höfen am Brühl – wie es heute charakteristisch ist für Leipzig. Die hölzernen Hofgalerien dienten zum Ausklopfen der Pelze, um sie vor Staub und Mottenbefall zu schützen. Die Zahl der Geschäfte mit Rauchwaren und Leder stieg im Jahre 1875 auf siebzig an (1784 waren es nur neun gewesen). Die größtenteils jüdischen Rauchwarenhändler waren zu Dauergästen der Stadt Leipzig geworden und lebten mit ihren Familien im südlichen Gohlis, im Waldstraßen- und Musikerviertel. [...]

Draußen vor der Stadt

Titelthema: Draußen vor der Stadt

altAusflugsziele rund um Leipzig - Rocken im Kloster, Stöbern im Buchdorf, Schlafen im Baum


Naturpark Muldenland
Östlich und südöstlich von Leipzig erstreckt sich das Muldenland. Es verläuft entlang der Freiberger, der Zwickauer und der Vereinigten Mulde bei Colditz – vom Erzgebirgsvorland bei Nossen über den Muldezusammenfluss bis hin zur Auenlandschaft zwischen Wurzen und Eilenburg. Fließende Übergänge gibt es westlich zur Parthenaue sowie zu den großen Waldgebieten der Dahlener Heide, des Wermsdorfer Forstes sowie des Thümmlitzwaldes.
Das bedeutendste Wasserbauwerk im Naturpark Muldenland ist die Talsperre Kriebstein, und die gleichnamige Burg über der Zschopau ist eine der schönsten Burgen überhaupt. Auf dem Stausee steht eine Flotte von acht Fahrgastschiffen bereit für Rundfahrten. Seit kurzem sind auf der Seebühne Freiluftaufführungen zu erleben. Jährlich Ende Juli findet ein Talsperrenfest mit großer Bootsparade statt.
Muldenland ist auch Schlösserland. Püchau, Machern, Nischwitz, Trebsen, Wurzen, Podelwitz – bis auf Nischwitz sind alle Anlagen frei zugänglich und warten teilweise mit Veranstaltungen auf: In Machern finden jährlich im September internationale Highlandgames statt, Trebsen zeigt die Schlossgeschichte und das Handwerk der Region.
Zwar nur noch eine Ruine, dafür umso berühmter ist das Kloster Nimbschen bei Grimma. Hier, vom einstigen Zisterzienserinnenkloster Marienthron aus, floh Katharina von Bora mit weiteren Nonnen nach Wittenberg zu Luther. Weitere Klöster befinden sich in Buch und Altzella. Wer die Natur erkunden will, ist auf dem Walderlebnispfad Wechselburg, in der Naturschutzstation Weiditz oder auf der Porphyrkuppe Wachtelberg bei Wurzen auf dem richtigen Weg.
Längst etabliert hat sich in den Sommermonaten der Mittelsächsische Kultursommer. Die Flusslandschaft kann hierbei u. a. mit „Philharmonic Rock“ im Kloster Buch, mit „Performance zum Stein“ am Rochlitzer Berg oder mit den Waldheimer „Filmmusic Classics“ aufwarten. Mit der Grimmaer Liederflut dankt die Stadt jeden Spätsommer den unzähligen Helfern und Spendern nach der Hochwasserkatastrophe von 2002.
(www.naturpark-muldenland.de)


Seenlandschaft Goitzsche
Rund 30 km nördlich von Leipzig, an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt, liegt das mächtige Seengebiet der Goitzsche. Geschaffen von Menschenhand ist es das weltweit größte Landschaftskunstobjekt. Wo vor Jahren noch Tagebaue die Landschaft aufgerissen hatten, ist jetzt ein Anziehungspunkt für Segler, Surfer, Wanderer, Jogger und Radler in Mitteldeutschland entstanden. Muldestausee, Seelhausener See und als größtes Gewässer der Goitzschesee mit seinen 66 km Uferlänge und 48 Meter Tiefe (zum Vergleich: der Cospudener See südlich von Leipzig hat einen Umfang von 10 km) bilden eine Seenlandschaft der XXL-Kategorie. Als Wahrzeichen bzw. Landmarken ragen der Bitterfelder Bogen, eine stählerne brückenartige Skulptur, und der 26 m hohe Pegelturm an einer 200 m langen Seebrücke empor. Über eine Wendeltreppe kann die Aussichtsplattform erreicht werden. In Nähe des Turms befindet sich ebenfalls am See ein absoluter Hingucker, die Villa Bernsteinsee, eine ehemalige Fabrikantenvilla in Neorenaissance. Heute beherbergt sie Apartments, Restaurant, Lounge und Konferenzräume. [...]